Berlin : Nachwuchs in Not

TuS Lichterfelde kämpft gegen Abstieg aus der Zweiten Liga

Benedikt Voigt

Berlin. Am Samstagabend verzichtete der Basketball-Erstligist Alba Berlin auf einen Spieler, den er bei seiner Niederlage gegen Oldenburg gut gebraucht hätte. Doch Sascha Leutloff musste für den TuS Lichterfelde in der Zweiten Liga spielen. „Wir haben das so entscheiden“, sagt Alba-Trainer Emir Mutapcic, „wir sind jetzt in dieser Situation.“

In dieser Situation bedeutet: TuS Lichterfelde kämpft als Tabellenletzter der Zweiten Liga Nord gegen den Abstieg in die Regionalliga. Der würde das Nachwuchskonzept von Alba Berlin weit zurückwerfen, denn in Lichterfelde verschafft der amtierende Meister seinen jungen Spieler traditionell Spielpraxis unter Profibedingungen und führt sie an die Bundesligamannschaft heran.

Doch nun sieht es mit diesem Konzept nicht so gut aus. Trotz Sascha Leutloffs Einsatz verlor „TusLi“, wie sich das Berliner Farmteam liebevoll nennt, bei den Elephants Grevenbroich mit 86:88. Erst zweimal konnte die Mannschaft von Trainer Andreas Martin in dieser Saison gewinnen, den dritten Erfolg verdankt der Tabellenletzte einem Sieg, der ihm am Grünen Tisch zuerkannt wurde.

Im Gegensatz zu allen anderen Zweitligateams verzichten die Berliner auf ausländische Profis und setzen auf deutschen Nachwuchs. Das funktionierte jahrelang. Einmal stieg der TuS Lichterfelde sogar in die Erste Liga auf – und verzichtete. Nationalspieler wie Ademola Okulaja, Marko Pesic, Jörg Lütcke, Mithat Demirel, Sven Schulze oder Stipo Papic stammen aus diesem Programm. Doch nun sieht es schlecht aus.

Die Ursachen sind bekannt. Da ist die Kreuzband-Verletzung von Guido Grünheid. „Mit ihm stünde Lichterfelde im Mittelfeld“, sagt Mutapcic. Grünheid wird erst Anfang März ins Team zurückkehren. Auch Heiko Schaffartzik und Tommy Thorwarth haben sich bereits verletzt. Außerdem besitzt der Nachwuchs nicht mehr die Qualität vergangener Jahre. Das gilt für Deutschland, aber auch für Berlin. Und Alba fehlt das Geld, um sich Talente leisten zu können.

„Diese Generation hat eine andere Mentalität“, sagt Mutapcic. Die Talente haben oft nicht mehr die Geduld, um sich für wenig Geld auf die Bank von Alba zu setzen. Nationalspieler Misan Nikagbatse zog vor vier Jahren in die Ferne, um nun reumütig beim Mitteldeutschen BC in die Bundesliga zurückzukehren. Vor dieser Saison ging Jimmy James zu Brandt Hagen. Auch Edwin Ofori-Attah, der auf einer High-School in den USA spielt (siehe Seite 19), wird gegenwärtig beim TuS Lichterfelde schmerzlich vermisst.

Trotzdem sagt Mutapcic: „Wir werden an unserem Konzept festhalten.“ Auch bei einem Abstieg. „Wir können auch beim Basketballverband einen Antrag stellen, dass Lichterfelde nicht absteigen darf“, sagt Mutapcic. Wegen der Verdienste um den deutschen Nachwuchs. Dann sagt er: „War nur ein Scherz.“ Aber einer, in dem viel Wahrheit steckt.

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