Nacktschneckenplage : Gärtners Schneckgespenst

Alles andere als niedliche Haustiere: Nacktschnecken sind schleimig und fressen im Garten den Salat weg.

Schneck lass nach. Ein Kaffeekränzchen gestern in Prenzlauer Berg.
Schneck lass nach. Ein Kaffeekränzchen gestern in Prenzlauer Berg.Foto: Henning Onke

Nacktschnecken verbringen zwei Drittel ihres Lebens im Ruhezustand und nur vier Prozent fressend. Für mehr würde das mühsam gehegte Gemüse in vielen Berliner Gärten auch nicht reichen: Das feuchtwarme Wetter lässt die schon einzeln nicht besonders possierlichen Schleimer gerade zur massiven Plage werden.

Das Problem betrifft zwei Arten, nämlich Rote und Spanische Wegschnecken. Letztere wurde vor Jahrzehnten vom Menschen eingeschleppt; sonst unterscheiden sie sich wenig: hell- bis dunkelbraun, zwittrig - erleichtert die Vermehrung - und derart schleimig, dass fast niemand sie fressen mag. Ausnahmen sind Laufenten und Grabkäfer, eine weitere die grau-schwarz gemusterten, größeren Tigerschnegel, die allerdings ebenfalls auch Salat mögen – gern als Salade niçoise mit Schneckeneiergarnitur.

Chemie ist die Ultima Ratio

Derk Ehlert, Wildtierexperte bei der Umweltverwaltung, empfiehlt als Gegenmittel, zum besonders gefährdeten Salat beispielsweise Radieschen, Thymian, Rosmarin, Zwiebeln oder Tomaten zu pflanzen, die die Schnecken allesamt nicht mögen. Feldstudien hätten außerdem gezeigt, das Vielfalt im Gemüsebeet per se helfe, weil sie den Boden belebe und die Abwehrkräfte der Pflanzen gegen den Schneckenfraß stärke.

Als zweitbeste Methode sieht Ehlert die mechanische Abwehr durch speziell geformte Schneckenzäune oder schlecht überwindliche Oberflächen wie Sand oder Rindenmulch. „Die chemische Bekämpfung ist nur das letzte Mittel.“

"Die wollen nur kriechen"

Allerdings auch das komfortabelste, wie Sven Wachtmann anmerkt, Fachberater beim Verband der Gartenfreunde und Chef der Firma GrünConcept. Es gebe zwei Varianten von Schneckenkorn. Die eisenbasierte sei die mildere; für Haus- und Kleingarten zulässig und ökologisch vertretbar seien beide. In pilzartigen Fallen aus Plastik lassen sich die Körner wetterfest deponieren, was den Effekt steigere und Nachstreuen vermeide.

Umständlicher zu handhaben seien Nematoden, also winzige Würmer, und Gel. Schneckenzangen lösen zwar das Transport-, aber nicht das Entsorgungsproblem, „und von Bierfallen halte ich persönlich gar nichts“. Das gelte ebenso für Salz, das nicht nur die bestreuten Schnecken ruiniere, sondern auch den Boden.

Und generell gilt: Schnecken mit Gehäuse sind die Guten. Die tun nichts, die wollen nur kriechen.

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