• Nadia Rouhani war als Einzelbewerberin angetreten - für einen Abgeordnetenhausplatz reichte es nicht

Berlin : Nadia Rouhani war als Einzelbewerberin angetreten - für einen Abgeordnetenhausplatz reichte es nicht

Cay Dobberke

Die Enttäuschung über das verpasste Mandat ist groß, aber Nadia Rouhani versucht sich damit zu trösten, dass sie mit 1901 Erststimmen beziehungsweise 8,7 Prozent im Charlottenburger Wahlkreis 4 wenigstens "das beste Einzelbewerberergebnis der Nachkriegszeit" geschafft hat. Die 36-jährige ehemalige Fernsehjournalistin war als parteilose Direktkandidatin für das Abgeordnetenhaus angetreten - und hatte sich gute Chancen ausgerechnet, obwohl es bundesweit noch nie einen vergleichbaren Erfolg gab. "Der Gesprächsfaden zwischen den Bürgern und Parteien ist gerissen", hatte sie vor der Wahl gesagt. Beim Urnengang allerdings "sind die Leute doch noch sehr an die Parteien gebunden", stellte sie gestern fest. Den Wahlkreis gewann Lothar Weise von der CDU mit 8658 der insgesamt rund 21 900 gültigen Stimmen (39,5 Prozent).

Acht- bis zehntausend Mark hat Nadia Rouhani in ihren Wahlkampf investiert; unter anderem wurden dafür 16 000 Hauswurfsendungen gedruckt, die 150 ehrenamtliche Helfer dann verteilten. Die Wahlkampfkosten bekommt die gescheiterte Kandidatin nicht erstattet: "Dafür hätte ich zehn Prozent gebraucht." Nun konzentriert sich die verheiratete Mutter zweier Söhne erst einmal wieder auf ihr Privatleben.

Aus dem Alltag heraus war auch die Kandidatur entstanden. Vor einigen Monaten wurde Nadia Rouhani als Wortführerin einer Elterninitiative bekannt, die gegen den Hundekot im Lietzenseepark kämpfte. In einer spektakulären Aktion warf man dort mehrere hundert schmutzige Windeln auf eine Wiese, um die Achtlosigkeit von Hundehaltern anzuprangern. Später protestierte Nadia Rouhani zusammen mit Anwohnern auch gegen Pläne des Investors Trigon für ein 19-stöckiges Hotel und eine Einkaufspassage am Stuttgarter Platz. Dieses Engagement will sie nun auch ohne politisches Mandat fortsetzen.

Anders als die Kandidaten von CDU und SPD habe sie zwar "keine Windräder und Luftballons verteilt", aber dafür direkter die Interessen der Bürger vertreten, betont die Charlottenburgerin. In einigen hundert persönlichen Gesprächen habe sie "nur gute Reaktionen" erlebt. In ihrem Wahlkampf sehe sie auch keine Versäumnisse - neben Plakaten und Handzetteln habe sie zuletzt auch einen Pritschenwagen als Wahlkampfmobil eingesetzt. Abgesehen von der vermuteten Bindung der Wähler an Parteien wisse sie keinen Grund, warum die Stimmenzahl nicht gereicht habe. Selbst Nadia Rouhanis Wahlparty in einem Lokal war mit etwa 250 Gästen recht gut besucht.

Das zweitbeste Ergebnis unter den parteilosen Direktkandidaten in Berlin erreichte übrigens Martin Wilke mit 967 Stimmen im Wahlkreis 3 in Prenzlauer Berg. Im Weißenseer Wahlkreis 1 bekam der Einzelbewerber Hagen Fischer 411 Stimmen. In Köpenick und Schöneberg erhielten Parteilose je 398 Stimmen, alle anderen unabhängigen Bewerber mussten sich mit weniger als 200 Stimmen begnügen.

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