Berlin : Nächster Halt: Gedenken

Zum Mauerbau-Jahrestag ist eine Schweigeminute in der Stadt geplant. Der Tagesspiegel unterstützt den Aufruf

 Sebastian Scholz
In schlechter Erinnerung. Am 13. August jährt sich der Tag des Mauerbaus zum 50. Mal. Aus diesem Anlass rufen der Förderverein Berliner Mauer und die Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft zur Aktion „Eine Minute für die Freiheit“ auf. Foto: dapd
In schlechter Erinnerung. Am 13. August jährt sich der Tag des Mauerbaus zum 50. Mal. Aus diesem Anlass rufen der Förderverein...Foto: dapd

Am 13. August um 12 Uhr soll es ruhig werden in Berlin. In Gedenken an den 50. Jahrestag des Mauerbaus haben der Förderverein Berliner Mauer und die Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft zu einer Schweigeminute aufgerufen. Die Aktion „Eine Minute für die Freiheit“ soll an die Teilung der Stadt und ihre Folgen für alle Berliner in Ost und West erinnern. Der Senat unterstützt die „begrüßenswerte Idee“, die dazu beitragen könne, „dass wir am 13. August ein würdiges Gedenken haben an diesen schlimmen Tag der Stadtgeschichte“, sagte Senatssprecher Richard Meng dem Tagesspiegel.

Berlin soll an diesem Tag nicht nur still sein, sondern kurzzeitig still stehen. Auch die BVG hat sich dem Aufruf angeschlossen und wird um 12 Uhr alle U-Bahnen und Busse an der nächstgelegenen Haltestelle für drei Minuten anhalten lassen. Eine Lautsprecherdurchsage soll den Fahrgästen mitteilen, dass sich die Verkehrsbetriebe an der Schweigeminute zum Gedenken an den Mauerbau beteiligt. „Wir sind ein Unternehmen, das die Teilung unmittelbar erfahren hat“, sagt Pressesprecherin Petra Reetz. Sie erinnert an die Zugführerkollegen aus West-Berlin, die jahrelang durch „Geisterbahnhöfe“ im Ostteil der Stadt brausen mussten, ohne anzuhalten. „Aber wir sind auch ein Unternehmen, das dazu beigetragen hat, dass die Teilung schneller überwunden wurde“, so Reetz. Sehr schnell seien die U-Bahnen wieder in ganz Berlin gefahren und die Verkehrsnetze wiederhergestellt worden. In der Tat hielten nur zwei Tage nach dem Mauerfall wieder Züge an der U-8-Haltestelle Jannowitzbrücke, auf der Mittelebene hatte die DDR schnell eine provisorische Passkontrolle eingerichtet.

Es soll eine Minute innegehalten werden – „im Gedenken der Opfer von Mauer und kommunistischer Gewaltherrschaft, aber auch in Erinnerung an die mutigen und gewaltfreien Bürger, die die SED-Diktatur stürzten“, sagt Pfarrer Manfred Fischer, Pfarrer der Versöhnungsgemeinde und Vorsitzender des Fördervereins der Gedenkstätte Berliner Mauer. Auch der Tagesspiegel unterstützt die Aktion und ruft seine Leser auf, ebenfalls einen Moment lang innezuhalten.

Die Aktion folgt dabei einem historischen Vorbild. Einen Tag, nachdem die DDR-Führung die Sektorengrenze der Stadt mit Barrikaden und Stacheldraht abriegeln ließ, kam es am 14. August in West-Berlin zu Kundgebungen.

Die Idee hat ein lebhaftes Echo ausgelöst. Neben der BVG hat sich auch die Stiftung Berliner Mauer in der Bernauer Straße angeschlossen. Hier, wo auch die offizielle Gedenkveranstaltung mit Bundespräsident Christian Wulff stattfindet, soll die Schweigeminute in das Programm der Veranstaltung integriert werden. Im Anschluss an die einminütige Stille soll von einem Chor das Lied „Die Gedanken sind frei“ gesungen werden. Der Ökumenische Rat der Kirchen Berlins hat zudem alle Gemeinden gebeten, um 12 Uhr Glocken erklingen zu lassen, um die Menschen zur Schweigeminute einzuladen. „Viele Kirchengemeinden auf beiden Seiten der Mauer haben sich in den Jahren von 961 bis 1989 bemüht, Partnerschaften und Beziehungen zueinander aufrechtzuerhalten, teilweise unter schwierigsten äußeren Umständen. Sie haben so auf ihre Weise dazu beigetragen, dass wir heute des 13. August in Freiheit gedenken können“, sagte die Vorsitzende des Ökumenischen Rats, Friederike von Kirchbach. Auch die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg und das Bürgerbüro zur Aufarbeitung von Folgeschäden der SED-Diktatur unterstützen den Aufruf. Der Berliner Einzelhandelsverband wird die Aktion ebenfalls mittragen. Hauptgeschäftsführer Niels Busch-Petersen sicherte zu, seine Mitglieder auf die Aktion hinzuweisen.

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