Berlin : Nächtliche Schüsse auf Autofahrer in Tempelhof

Werner Schmidt

Nur einen Tag nach den Schüssen auf einen BVG-Bus wurde in der Nacht zu Donnerstag erneut auf Autos geschossen. Zwei 28 und 42 Jahre alte Autofahrer kamen dabei mit dem Schrecken davon, als auf ihre Fahrzeuge am Mittwochabend gezielt wurde. Am Auto des 42-Jährigen wurde die Windschutzscheibe beschädigt, am zweiten Wagen zerbarst die Scheibe der Beifahrertür in tausend Splitter. Die Fahrer hörten gegen 21.45 Uhr jeweils nur einem dumpfen Aufprall in ihren Autos, als sie auf der Straße Alt-Tempelhof in Höhe des Grundstücks 1 - 3 vorbeifuhren. Die Polizei fand weder in den Fahrzeugen noch in der Umgebung des Tatortes Projektile.

Nach Auskunft der Kripo in der zuständigen Polizeidirektion 4 ist bisher unklar, womit auf die Fahrzeuge geschossen wurde. Es handele sich nicht um eine scharfe Waffe, weil dann zumindest im Fahrzeug des 28-Jährigen ein Projektil eingeschlagen und die Frontscheibe im Wagen des 42-jährigen Fahrers durchschlagen worden wäre, sagte ein Ermittler. Nicht auszuschließen sei allerdings, dass beispielsweise Stahlkugeln oder Schraubenmuttern mit einer Zwille verschossen wurden. Auch Steinwürfe seien in der Lage, diese Schäden hervorzurufen. Einen Zusammenhang mit den Schüssen aus einer scharfen Waffe auf einen BVG-Nachtbus Mittwoch früh auf dem Kurfürstendamm wird derzeit ausgeschlossen.

Die beiden aus Neukölln stammenden Fahrer, die in Richtung Germaniastraße fuhren, wurden von den Angriffen vollkommen überrascht. Vor dem Aufprall und dem Splittern der Scheiben sei niemand zu sehen gewesen, gab die Polizei die Aussage der Opfer wider. Die Fahrzeuge wurden sichergestellt. Durch eine Untersuchung der Beschädigungen erhofft man sich Rückschlüsse auf die Projektile und die verwendete Waffe. Zeugen, die in der Umgebung des Tatortes Verdächtiges oder Verdächtige bemerkten, werden gebeten, sich mit der nächsten Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen.

Auch die Ermittlungen der Mordkommission nach den scharfen Revolverschüssen auf einen Nachtbus der BVG sind bisher nicht vorangekommen. Zwar wurde in der Karosserie des Busses ein etwa neun Gramm schweres Bleigeschoss gefunden. Das aber ist völlig deformiert und wird für eine Untersuchung kaum zu gebrauchen sein. Die Geschäftsführung des Nachtclubs "Big Eden" am Kurfürstendamm bot den Ermittlern an, ihnen den Film aus einer Kamera zur Verfügung zu stellen, mit der die Umgebung des Eingangs überwacht wird.

Von der Auswertung versprechen sich die Ermittler allerdings nicht viel. Der Nachtclub liege zu weit vom Tatort an der Ecke Bleibtreustraße entfernt, um etwas oder jemanden erkennen zu können, hieß es. Die Tat selbst werde kaum auf dem Film zu sehen sein, sagte ein Ermittler. Die Videoüberwachungsanlagen anderer Geschäfte - in diesem Bereich sind unter anderem einige Juweliere angesiedelt - seien zumeist ins Innere der Läden gerichtet, so dass die Mordkommission keine verwertbaren Hinweise auf den geheimnisvollen Schützen erwartet. Auch in diesem Fall werden Zeugen gesucht. Die meisten Fahrgäste waren Mittwoch früh gegangen, ohne das Eintreffen der Polizei abzuwarten.

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