Berlin : Näher dran an überforderten Eltern

Neue Hotline in Pankow. Mutter, die Kinder allein ließ, darf Wohnung behalten

Vermüllte Wohnungen, allein gelassene Kinder: 582 Fälle von Kindesvernachlässigung zählte die Polizei im vergangenen Jahr. Um Kinder besser zu schützen, gibt es nun auch im Bezirk Pankow eine Kinderschutz-Hotline. Unter der Rufnummer 90295 5555 sind Mitarbeiter des Jugendamtes zwischen 8 und 18 Uhr erreichbar. Besorgte Nachbarn oder Verwandte können hier Rat suchen, wenn sie den Verdacht haben, dass ein Kind vernachlässigt oder misshandelt wird. Anfang Mai hatte der Senat bereits eine Kinderschutz-Hotline unter der Rufnummer 610066 geschaltet. Seither sind dort mehr als 127 Anrufe eingegangen. In 95 Fällen wurde das Jugendamt eingeschaltet. In fünf Fällen wurden die Kinder sofort aus den Familien genommen.

In jüngster Zeit waren weitere Fälle von Vernachlässigung bekannt geworden. Ende April kam heraus, dass eine 46-jährige Mutter ihre vier Kinder ein dreiviertel Jahr lang alleine in einer verdreckten Wohnung in Prenzlauer Berg leben gelassen hatte. Doch Gabriele B. tut alles, um ihre acht- bis zwölfjährigen Kinder zurückzubekommen. Nun ist sie einen entscheidenden Schritt weiter: Ihr Vermieter, bei dem sie rund 7000 Euro Mietschulden haben soll, hat am Mittwoch zugestimmt, dass sie weiterhin in der Wohnung bleiben darf, wenn das Jobcenter die Schulden übernimmt. Dies bestätigte die Pankower Jugendstadträtin Christine Keil (Linkspartei). Die 46-Jährige lebt seit längerem von Arbeitslosengeld II. „Dass sie die Wohnung behalten kann, ist eine wichtige Grundlage für die Entscheidung, ob die Kinder zu ihr zurückkommen können“, sagte die Stadträtin. Wie hoch die Chancen dafür stehen, wollte Keil nicht kommentieren. „Wir werden noch im Juni ein Gespräch mit der Mutter führen, in dem über weitere Hilfen gesprochen wird“, sagte Keil.

Mit einem weiteren Vernachlässigungsfall ist auch das Jugendamt Lichtenberg beschäftigt. Wie berichtet, war am vergangenen Freitag ein 13-Jähriger mit einer Alkoholvergiftung in die Klinik gebracht worden. Die Mutter schlief zur selben Zeit ihren eigenen Alkoholrausch bei ihrem Freund aus. „Wir sind mit der Mutter in Kontakt, und es wird demnächst ein Gespräch geben“, sagte Jugendstadtrat Michael Räßler-Wolff (Linkspartei). tabu

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben