Berlin : Nah am Wasser gebaut

Die Ferienanlage „Resort Schwielowsee“ ist eröffnet. Als Nächstes wollen die Investoren im nahen Schloss Petzow ein Fünf-Sterne-Hotel einrichten

Claus-Dieter Steyer

Petzow - Wenn ein Hotel mit dem Slogan „Ziemlich nah am Paradies“ wirbt, ist für gewöhnlich Skepsis angesagt. Meistens liegen zwischen solchen Slogans und der Wirklichkeit doch Welten. Das am Freitag Abend mit 1200 Festgästen eröffnete „Resort Schwielowsee“ in Petzow bei Potsdam kann sich bei diesem Spruch, der recht auffällig auf seinen Prospekten prangt, zumindest auf zwei berühmte Namen berufen. Albert Einstein fand auf und am Schwielowsee und auf dem benachbarten Templiner See tatsächlich sein „Paradies“: So rühmte er sein Sommerhaus im Örtchen Caputh, das Petzow am anderen Seeufer gegenüberliegt, so schwärmte er über seine Fahrten mit dem Segelboot über die Seen. Zuvor hatte schon Theodor Fontane den Schwielowsee als „breit, behaglich, sonnig“ beschrieben, der die „Gutmütigkeit aller breit angelegten Naturen“ besitze.

Hier also sollen sich nun Urlauber, Wochenendausflügler und Spaziergänger gleichermaßen wohl fühlen. Das Hotel „Seaside Garden“ der Kategorie Vier Sterne plus verfügt über 124 Doppelzimmer, fünf Suiten, ein Restaurant, eine Havanna-Bar und einen Wellnessbereich. Außerdem entstanden 13 Ferienhäuser für bis zu sechs Personen, ein Hafen und das Restaurant „Ernest“ direkt am Wasser. In Kürze sollen auch die acht umstrittenen Pfahlbauten zur Vermietung bereitstehen, die die Herren des Resorts ohne Baugenehmigung im geschützten Schilfgürtel des Ufers errichten ließen und die sie nach Intervention der Behörden weiter zurück aufs Land setzen mussten.

Der Resort-Geschäftsführer Axel Hilpert hat schon zu DDR-Zeiten Ideen für ein großes Freizeitresort sammeln können. Als Antiquitätenhändler arbeitete er für die Devisenbeschaffungsfirma Kommerzielle Koordination von Alexander Schalck-Golodkowski. Kam herum, knüpfte Kontakte. Das Vorbild für seine Anlage am Schwielowsee fand Hilpert schließlich in San Diego. „Dort steht ein ähnlicher Komplex, nur dreimal so groß wie hier“, sagt der 57-Jährige. Als Partner fand er Hans-Hermann Tiedje – einst Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, heute Vorstand der PR-Firma WMP.

Rund 45 Millionen Euro hat Hilperts und Tiedjes Gesellschaft investiert – 9,2 Millionen davon steuerte das Brandenburger Wirtschaftsministerium aus der Gemeinschaftsaufgabe zur Förderung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GA) bei. Eine „touristische Perle“ nannte Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) das Projekt denn auch bei der Eröffnung. Das Reiseland Brandenburg sei nun besonders für Wassertouristen noch attraktiver. Größter Kreditgeber war die Deutsche Kreditbank, die dafür ein goldenes Schild an der Eingangstür erhielt: „Die Bank ließ sich von unserem Konzept überzeugen, während andere Geldinstitute sich doch oft zurückhalten“, begründet dies Hilpert.

Außerdem braucht er bald wieder neues Geld. Im August soll der Umbau des zehn Gehminuten vom Resort entfernten Schlosses Petzow zu einem Fünf-Sterne-Hotel mit 75 Zimmern beginnen. „Zu Ostern 2007 werden wir das nächste Eröffnungsfest feiern“, kündigt Hilpert an. Die Baukosten sind auf 18 Millionen Euro kalkuliert. Bis August dreht noch das ZDF im Park und vor dem Schloss die tägliche Serie „Bianca – Wege zum Glück.“ Unbestimmt ist der Baubeginn für zwei Golfplätze und ein buddhistisches Zentrum mit einem Kloster für Mönche aus der Mongolei, das gegenüber vom Hotel entstehen soll.

Im neuen Freizeitresort auf dem Gelände eines früheren Jugendtouristhotels haben 100 Frauen und Männer eine Beschäftigung gefunden. Sie wurden aus mehr als 1000 Bewerbern ausgewählt. Wichtigster Partner ist der Touristikkonzern Tui, der das Resort in seine weltweite Vermarktung aufgenommen hat. Schon jetzt liegen nach Hilperts Angaben für die Sommersaison 37 500 Buchungen vor. Die Angebote im Hafen kann jedermann nutzen, auch ohne ein Hotelzimmer buchen zu müssen. Hier liegen zahlreiche Boote mit und ohne Motor für eine Fahrt über den „paradiesischen“ Schwielowsee bereit. Auch die Restaurants stehen den Ausflüglern offen.

Ab 11. Mai soll dann auch ein Wasserflugzeug zu seinen täglichen Flügen zwischen dem See und dem Treptower Spree-Hafen starten. Zunächst hatte es dagegen Proteste von Anwohnern und Naturschützern gegeben, die sich gegen eine mögliche Lärmbelästigung wandten. Aber inzwischen haben sie sich mit dem neuen Nachbarn am Schwielowsee arrangiert.

Weitere Informationen unter Telefon 03327/569 60 und im Internet unter www.resort-schwielowsee.de

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