Berlin : Nah am Wasser gebaut

Gewerbehof mit Anspruch: Busbetrieb, Restaurant und Hafenanlage an der Rummelsburger Bucht.

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Wenn Frank Richert Kunden empfängt, bekommt er oft zu hören: „Das ist ja wie im Urlaub hier.“ Auch die Mitarbeiter verbringen gerne den Feierabend mit ihren Familien auf dem Gelände, mit Blick auf den Kratzbruch und die Liebesinsel im Rummelsburger See. Doch von Ferien kann für Frank Richert auf seinem Gewerbegelände „Hafen und Hof“ an der Rummelsburger Bucht keine Rede sein. Der 46-Jährige hält hier die Fäden zusammen, zwischen Busbetrieb, Hafenrestaurant und Hafenanlage.

Zehn Jahre lang hatte Richert nach einem neuen Gelände für seine Busvermietungen „Berlin Mobil“ und „Starship“ gesucht. „Das Thema war für mich schon fast durch“, sagt er. 2008 hat er dann das über 8000 Quadratmeter große Grundstück an der Bucht erworben und das Architekturbüro „Hastrich Keuthage Architekten“ beauftragt. Für einen Gewerbebau ist das Ergebnis sehr untypisch. Frank Richert sagt: „Es wäre blöd gewesen, wenn an so einem schönen Standort ein reiner Zweckbau stehen würde.“ Das kubische, graue Gebäude steht zehn Meter vom Ufer entfernt. Bushalle, Werkstatt und Verwaltung sind hier seit drei Jahren unter einem Dach vereint.

Der Standort hatte weitere wesentliche Folgen für den Bauherrn: Die Entscheidung, auch die „Hafenküche“ und die Hafenanlage zu betreiben, drängte sich ihm gewissermaßen auf. Der baufällige Schuppen, der auf dem Gelände stand, wurde nach dem Vorbild des Gewerbebaus umgestaltet und ein Neubau vorne angehängt, in dem heute die Restaurantküche ist. Besucher, die einen Liegeplatz haben oder ein Boot mieten, können im Restaurant „Hafenküche“ essen. Die Mitarbeiter des Busunternehmens machen hier Mittag; auch Richert, der in Flip Flops und Jeans seinen Hof zeigt, holt sich hier seinen Cappuccino. Für ihn greifen die Betriebsteile ideal ineinander.

Das Grau des Gewerbebaus nimmt den Farbton der Starship-Busse auf. Ab und zu benutzt Richert den Arbeitsplatz in der Betreiberwohnung im dritten Stockwerk, einem Staffelgeschoss, wo es auch eine Terrasse mit Blick über den Rummelsburger See gibt. In die erste und zweite Etage führen Stahltreppen mit Gitterrost auf den Stufen. „Das gibt den industriellen Charakter wieder“, sagt Architekt Wolfgang Keuthage. Mit seinem Bauherrn sind für Keuthage einige Architektenträume wahr geworden. Zum Beispiel die Fenster, die auf gleicher Höhe mit der Außenwand sind und zum Boden hin abschließen. Manch anderer Bauherr hätte die höheren Kosten für die flächenbündigen Fenster gescheut. „Das macht die Kiste noch ein bisschen kubischer, ein bisschen glatter“, sagt Wolfgang Keuthage.

Die Fenster sind drei mal drei Meter groß und befinden sich sowohl an den Außenwänden, als auch in den Innenräumen. In der Bushalle mit den drei Einfahrtstoren sowie Grube und Scherenheber für Reparaturarbeiten öffnen die Fenster den Blick nicht nur in die Werkstatt, sondern auch in die Distribution dahinter und in die Verwaltung im zweiten Stock. Frank Richert sagt: „Ich wollte keine Trennung haben zwischen den einzelnen Bereichen. Durch die Transparenz klappt auch die Kommunikation besser.“ Die Planung, alles in einem Gebäude unterzubringen, hat sich bewährt. Nur mit den Lagerräumen hat Frank Richert sich etwas verschätzt – sie sind zu klein. Da sein Busunternehmen sich in den letzten Jahren noch einmal entscheidend vergrößert hat, ist inzwischen auch kein Raum mehr für weiteren Zuwachs.

Die großen Fenster haben zwar einen Sonnenschutz, machen die Räume aber an heißen Sommertagen trotzdem ziemlich warm. Das merkt Frank Richert besonders jetzt. Doch es war seine ästhetische Entscheidung – dafür hat er eine aufwendige Haustechnik einbauen lassen. Unter dem Dielenfußboden in der Verwaltung liegt ein Lüftungssystem. Die kalte Luft entweicht über Schlitze aus Edelstahl, die in der Nähe der Fenster eingelassen sind. Zudem gibt es Wärmerückgewinnung, eine Fotovoltaikanlage und Geothermie. Für die Wasserstraße am Eingang des Hofs befindet sich eine Rinne im Boden des Geländes. Hier wird Wasser aufgefangen, in einem großen Behälter gesammelt und anschließend zum Waschen der Busse verwendet.

Gerade manövriert ein Fahrer einen großen Bus in die Waschanlage. In der Hafenküche speisen die Gäste, in der Werkstatt schuften die Mechaniker. Alles hat hier seinen Platz – die grauen Gebäude strahlen dabei eine stoische Ruhe aus. „Das Leben kommt mit den Materialien und den Menschen ins Haus“, sagt Architekt Keuthage.

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