Berlin : Nahost-Gipfel: Wann, wie und wo?

Christian van Lessen

Wo kommen der israelische Außenminister Schimon Peres, Palästinenserpräsident Jassir Arafat und Bundesaußenminister Joschka Fischer zusammen, wenn sie sich vielleicht in der nächsten Woche in Berlin oder in der näheren Umgebung zu Nahost-Gesprächen treffen? Gestern wurde in der Stadt viel über das "Wann und Wo" spekuliert, und das Auswärtige Amt ließ nur geheimnisvoll wissen, entscheidend sei nicht das Wann und Wo, sondern dass es überhaupt zu Gesprächen käme. Noch sei alles offen.

Aber gerade diese Ungewissheit zehrt an vielen Nerven. Der Senat wartet gespannt ab und vermisst insgeheim ein größeres abgelegenes Konferenzzentrum, die Polizei sieht sich vor der Aufgabe, eventuell hunderte von Delegationsmitgliedern sichern zu müssen, dazu Heerscharen von Journalisten - an bislang unbekanntem Ort. Die Verantwortlichen potenzieller Tagungsstätten grübeln, wie lange die Gäste wohl bleiben, ob sie übernachten oder nur tagsüber einmal verhandeln und dann wieder abreisen. Das Inter-Continental an der Budapester Straße, das als sicherstes Hotel Berlins gilt, ist weiter eine der ersten Adressen. Sprecherin Türkan Gültepe versicherte am Mittwoch: "Es liegt keine konkrete Anfrage vor. Aber wir stellen uns darauf ein". Man sei flexibel, "aber ein bisschen Vorlauf wäre schon schön".

Das Adlon, auch einer der Favoriten für Spitzentreffen dieser Kategorie, wollte erst gar nichts zu möglichen Anfragen sagen. Dass der Außenminister zum Nahost-Spitzengespräch - das Wort "Gipfel" will man nicht hören - im eigenen Haus lädt, gilt als unwahrscheinlich; obwohl der Gebäudekomplex an der Spree große Konferenzsäle besitzt, gut zu sichern und nach Ansicht von Behördenmitarbeitern "wie eine Festung" ist. Das passt auch zum benachbarten Staatsratsgebäude, dessen Haupttrakt nach dem Umzug des Bundeskanzlers ungenutzt ist und große und repräsentative Räume zur Verfügung stehen. Jassir Arafat dürfte sich, sollte hier der Gipfel tagen, an verschiedene Treffen mit dem DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker erinnern.

Die Israelis haben durchblicken lassen, dass sie - gerade in Berlin - auf die Historie des Tagungsortes achten werden. Das Haupthaus des Auswärtigen Amts war immerhin mal Reichsbank-Zentrale, bevor es zum Zentralkomitee der SED wurde. Unverdächtig ist das neue Bundeskanzleramt im Spreebogen, das auch als Kandidat für die Nahost-Gespräche genannt wird.

Der Bau verfügt über ein Konferenzzentrum mit Dolmetscherkabinen, außerdem über einen Hubschrauberlandeplatz und Räume für größere Pressegruppen. Der Konferenzbereich ist bisher kaum genutzt worden, hier hätte er die erste große Bewährungsprobe. Schloss Niederschönhausen in Pankow wird bei Gelegenheiten dieser Art auch genannt; das einstige Staatsgästehaus der DDR mit seinem schönen Park ist relativ abseits gelegen, und auch hier machte Arafat schon Station. Die Villa Borsig am Tegeler See gehört ebenfalls zu den vornehmen Adressen, die für ein Gipfeltreffen in Frage kommen könnten, zumal auch hier die abgelegene Lage ein Pluspunkt sein dürfte.

Vor fast fünf Jahren wurde in der einstigen Borsigvilla ein Weltbank-Forum zum Schuldenerlass veranstaltet; Das Anwesen wird vom Auswärtigen Amt als Ausbildungsstätte genutzt. Kurz vorm Zehlendorfer Stadtrand mit Blick auf Potsdam bietet sich das durch Heimvolkshochschule und Konzerte bekannte Jagdschloss Glienicke an, das mit seiner versteckten Lage Sicherheitsvorteile hat. Aber vielleicht machen ganz andere Tagungsorte das Rennen: Das Neuköllner Estrel oder der weitgehend brachliegende Flughafen Tempelhof mit vielen Hallen und wenig Sicherheitsrisiko. Auch das ICC gilt als Kandidat. Aber die Funkausstellung könnte hier dazwischenfunken.

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