Berlin : Nahostgipfel: Berlins Polizei graut es

Jörn Hasselmann

Mit Entsetzen hat die Berliner Polizei auf den geplanten Nahostgipfel in der kommenden Woche in Berlin reagiert. "Das wäre ein Horror", sagte Wilfried Püschel vom Gesamtpersonalrat. Andere Polizisten stöhnten laut auf, als sie von dem beabsichtigten Treffen zwischen Israels Außenminister Peres, Palästinenserpräsident Arafat und Außenminister Fischer erfuhren. "Die Berliner Polizisten reichen dazu nicht", hieß es. "Peres und Arafat sind jeder für sich schon eine Riesennummer", sagte Püschel. Beide aufs höchste gefährdete Politiker zusammen zu bewachen, sei eine "Wahnsinnsaufgabe".

Während des Besuchs von Bundesaußenminister Joschka Fischer in Ramallah schlug Palästinenser-Präsident Jassir Arafat am Dienstag überraschend ein Treffen mit Israels Außenminister Schimon Peres in Berlin vor - wozu sich Peres wenig später bereit erklärt hatte. Die Berliner Polizei erwartet nun rasche "Signale" vom Außenministerium über das Wie und Wo und Wann, sagte Polizeisprecherin Gedaschke gestern. Der entscheidende Punkt für die Polizei sei, ob sich die drei Politiker nur an einem Ort treffen, oder ob es noch irgendein zusätzliches Besuchs-Programm in der Stadt gibt. Dies gilt wegen der derzeitigen brisanten Lage im Nahen Osten aber als unwahrscheinlich. Zweites entscheidendes Kriterium ist, ob Arafat und Peres in Berlin übernachten oder nur tagsüber einfliegen.

Dieses Treffen - im Polizeijargon "Großlage" genannt - würde die derzeitige Arbeitsüberlastung der Berliner Beamten (siehe Artikel unten) entscheidend verschärfen. Aus dem Urlaub müssen aber wohl keine Beamten geholt werden, sagte ein Polizeiführer gestern. Denn auch jetzt in den großen Ferien liege die Urlaubsquote nur unwesentlich überm Jahresdurchschnitt von 18 Prozent. Etwa 4000 Beamte würden benötigt, um einen Nahostgipfel zu sichern. 2000 Beamte waren auch Anfang Juli beim nur siebenstündigen Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Scharon aufgeboten.

Den Rekord als bestbewachter Berlin-Besucher hält immer noch der iranische Staatspräsident Chatami. Bis zu 8000 Polizisten schützten im Juli vergangenen Jahres den zweitägigen Aufenthalt. Allein 2200 Polizisten sicherten die wenige Minuten kurze Fahrt der Wagenkolonne Chatamis vom Hotel Interconti zum Hubschrauberlandeplatz am Verteidigungsministerium - quasi auf jedem Meter Strecke wachte ein Polizist - obwohl die Umgebung weiträumig abgeriegelt war. Da Autofahrten als prinzipiell unsicher gelten, fliegen Staatsbesucher im Normalfall mit Hubschraubern des Bundesgrenzschutzes von Programmpunkt zu Programmpunkt. Eingesetzt werden dabei drei parallel fliegende, äußerlich identische "Super Pumas", um einen Anschlag zu erschweren. Scharon hatte im Juli selbst Strecken in Steinwurflänge - vom Schloss Bellevue zum Kanzleramt - mit dem Helikopter zurückgelegt. Dies gehört zur "Gefährdungsstufe 1" - "mit einem Anschlag ist zu rechnen" - wie beispielsweise der Einsatz von Präzisionsschützen auf umliegenden Dächern.

Extrem personalintensiv sind jedoch die Abriegelung der Protokollstrecken und das Durchkämmen der Umgebung: alle Gullideckel werden hochgenommen, alle Schaltkästen von Laternen geöffnet - und anschließend wird alles versiegelt. Spree und Kanäle werden abgetaucht, die Schifffahrt eingestellt und Überflüge mit Ballons und Zeppelinen verboten.

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