Berlin : Nahtkontrolle

Er will nichts dem Zufall überlassen: Vor der Eröffnung seiner Ausstellung in der Nationalgalerie legt Modezar Giorgio Armani selbst Hand an

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Geschäftiges Treiben in der Neuen Nationalgalerie. Dekorateure zupfen an Kleidern und rücken kunstvoll bekleidete Schneiderpuppen ins rechte Licht. Handwerker hämmern, Schneiderinnen bügeln letzte Falten aus den Kleidern, überall liegt Werkzeug herum. Mit prüfendem Blick schlendert der Meister im abgedunkelten Saal zwischen seinen Werken umher, bleibt immer wieder stehen, zupft den Stoff zurecht. Er will nichts dem Zufall überlassen. Trotzdem wirkt er gelassen und entspannt an diesem Dienstag Nachmittag. Giorgio Armani trägt ein schlichtes TShirt und eine legere Hose in Schwarzblau. Sein Gang ist federnd, für seine 68 Jahre sieht der Designer bemerkenswert sportlich aus. Noch ist ihm kaum anzumerken, dass er gut 24 Stunden später, am heutigen Mittwochabend, im Mittelpunkt eines großen Spektakels stehen wird. Sogar für ein gemütliches Mittagessen in der Nähe der Nationalgalerie fand der Modeschöpfer gestern Zeit. Und abends stand ein Essen im „Borchardt“ auf dem Programm. Dort wollte Armani letzte Details mit seinen Freunden, dem Regisseur Robert Wilson und dem Choreographen John Neumeier besprechen.

In bester Laune hatte der große Mann der Modewelt sich bereits am Vortag beim Stadtbummel gezeigt. Von seiner Suite im Adlon-Hotel war er zum Brandenburger Tor spaziert. Dort posierte er für Fotografen, plauderte mit einem Orgelspieler, gab Autogramme und erzählte von St. Tropez, von wo aus er am Montag in seiner Privatmaschine nach Berlin geflogen war. Es ist Armanis erster Berlin-Besuch seit acht Jahren. Damals hatte er eine Ausstellung über Marlene Dietrich angesehen. Diesmal ist er selbst Thema der Ausstellung. Nach der Eröffnung heute Abend wollen Armani und seine Gäste in exklusivem Ambiente weiterfeiern: Im neuen Gebäude des Architekten I.M. Pei am Deutschen Historischen Museum werden unter anderem die Designer Willy Bogner und Jette Joop erwartet, außerdem Veronica Ferres und Boris Becker. lvt

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