Berlin : Nahtlos geholfen

Ninette Murk zeigt auf der Premium-Messe eine besondere T-Shirt-Kollektion: Die Motive stammen von Promis, die sich für die Aids-Hilfe einsetzen

Grit Thönissen

„Über Aids zu sprechen, ist nicht mehr in“, sagt Ninette Murk. Das will die Belgierin ändern – und zwar mit Mode. In dieser Branche kennt sie sich aus: Seit über 20 Jahren besucht sie als Modejournalistin die Pariser Modenschauen, arbeitet als Dozentin am Institut Français de la Mode und machte die Pressearbeit für Modedesigner wie Raf Simons, dem neuen Chefdesigner bei Jil Sander.

Also fragte sie befreundete Modedesigner und Musiker, ob sie Motive für T-Shirts entwerfen wollten. Die Resonanz überraschte selbst die Fachfrau: „Künstler wissen oft schneller, was getan werden muss.“ So ließen die Musiker von The Cardigans in verschnörkelten Lettern das Wort „Love“ auf die Trikotagen drucken, Designer Bernhard Willhelm zeigt sich liebevoll zugetane Brachiosaurier, die Band Faithless steuerte das Statement „Aids is a weapon of mass destruction“ bei, und Robert Smith von The Cure trug sein T-Shirt beim Live-8-Konzert in Paris.

Eine Bedingung stellte Ninette Murk den Beteiligten: Die T-Shirts sollen schön aussehen. „Ich will nicht, dass jemand das T-Shirt aus schlechtem Gewissen kauft, und es dann in der hintersten Ecke des Kleiderschranks vermodert - der Träger soll sein Shirt lieben.“

Jetzt reist sie mit ihrem Projekt „Designers against Aids“ (DAA) zu den Modemessen dieser Welt – ab heute wird sie auf der Premium ihre kleine T-Shirt-Kollektion ausstellen, bestehend aus neun Modellen, die auf je 100 Stück limitiert sind. 50 Prozent des Erlöses geht an die Aidsforschung. Ihr Hauptziel ist es jedoch nicht, die T-Shirts zu verkaufen - sondern möglichst viele Leute auf die Homepage von „Designers against Aids“ zu locken. Neben Informationen über die mitwirkenden Designer und Musiker finden sich dort jede Links zu Organisationen, die sich gegen Aids engagieren.

Für Ninette Murk ist es ein schlecht bezahlter Vollzeitjob. Ihre Wohnung hat sie schon verkauft, um sich das Projekt weiter leisten zu können. Jetzt lebt sie zusammen mit ihrem Lebensgefährten und ihrer Tochter in einem schmalen Stadthaus mitten in Antwerpen zur Miete. Wenn Ninette Murk in den nächsten Tagen nicht auf der Premium ist, wird sie ein wenig Zeit, haben um sich im Garten ihres Hotels von dem Stress der letzten Monate zu erholen – sie hat all ihre Einladungen zu Modenschauen und Cocktailempfängen daheim vergessen. Allzu sehr ärgert sie das nicht: Schließlich hat sie eine Botschaft mit nach Berlin gebracht, auf die sie sich konzentrieren will: „Die Leute über Aids informieren.“ Ab September kann man die T-Shirts in ausgewählten Shops kaufen: in Berlin im Best Shop in der Alten Schönhauser Straße 6.

Mehr zum Thema im Internet unter

www.designersagainstaids.com

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