Nahverkehr : Ab Januar drohen BVG-Streiks

Der Senat bietet ein Prozent mehr Lohn, die BVG-Mitarbeiter fordern zwölf. Wenn die Verhandlungen scheitern, will Verdi ab Januar "alle Maßnahmen ergreifen". Bevor es jedoch zu Streiks kommt, wird die Gewerkschaft mit "anderen Aktionen" auf ihr Anliegen aufmerksam machen.

Michael Stürzenhofecker
BVG Busse
Fahren oder nicht? Der BVG stehen Streiks ins Haus. -Foto: ddp

BerlinNachdem in den Tarifkonflikt zwischen der deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL etwas Ruhe eingekehrt ist, stehen zumindest den Berlinern wieder Streiks ins Haus. Zum 31.Dezember 2007 endet der Tarifvertrag im öffentlichen Nahverkehr, am 20.Dezember soll der neue verhandelt werden. Die über 12.000 Mitarbeiter der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und deren Tochterfirma Berlin Transport gehen mit umfangreichen Gehaltsforderungen in die Gespräche.

Zwölf Prozent mehr Lohn fordert deren Vertretung, die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, für alle "Neubeschäftigten". "Altbeschäftigte" sollen rund acht Prozent mehr bekommen. Die "Alten" sind Mitarbeiter, die vor dem September 2005 bei der BVG oder vor dem Jahr 2006 bei der Berlin Transport angefangen haben. Die BVG und der Senat bieten jedoch bedeutend weniger. Thilo Sarrazin will das Gehalt der Neuen um ein Prozent aufstocken, die Altbeschäftigten sollen leer ausgehen. Alles andere würde den Finanzplan der Verkehrsbetriebe sprengen.

Angekündigter Streik der Fahrscheinkontrolleure möglich

Verdi und die BVG-Mitarbeiter wollen jedoch eine schnelle Lösung, schließlich gelte der Manteltarifvertrag weiter. Da es jedoch für den 20.Dezember, dem Tag der Verhandlung, nicht nach einer Einigung aussieht, ist ein "Tarifkonflikt im kommenden Jahr wahrscheinlich", so Verdi-Sprecher Frank Bäsler gegenüber tagesspiegel.de. "Die Kollegen sind entschlossen, diesen Schritt zu machen, sollten die Gespräche ergebnislos verlaufen", so Bäsler weiter.

Ein Tram- oder Busfahrer verdient 1725 Euro brutto, davon bleiben oft nur 1100 übrig, rechnet der Gewerkschafter vor. Und das bei Wechselschichten bis in die Nacht. Auch weist er darauf hin, dass die Berliner Verkehrsbetriebe bisher von ihrem Streikrecht wenig Gebrauch gemacht hätten, das letzte Mal 1992. Und bevor sie ihre Kunden verärgern, wollen sie ihre Gegner treffen: Die Gewerkschafter und Angestellten planen zunächst Aktionen "unterhalb der Schwelle von Warnstreiks", so Bäsler. Denkbar wäre ein Streik der Fahrscheinkontrolleure, der zwei Tage vorher angekündigt wird. Für Streiks dieser Art wäre die Sympathie wohl auf Seite der BVG-Angestellten.

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