Nahverkehr : BVG steigert Zahl der Fahrgäste

Die Verkaufszahlen von Monatskarten schnellen seit Wochen in die Höhe. Der Zugewinn von Fahrgästen kommt nach den jüngsten Streiks überraschend. Ob der Kundenzuwachs der BVG mit den hohen Spritpreisen zusammenhängt, ist bislang nicht geklärt.

Klaus Kurpjuweit

Bahnen und Busse im Nahverkehr werden voller. Während der Chef der Hamburger Hochbahn, Günter Elste, überzeugt ist, dass die hohen Spritpreise Autofahrer zum Umsteigen animiert haben, sind die Fachleute bei der BVG und der S-Bahn zurückhaltender. Ob es einen Zusammenhang zwischen der steigenden Zahl von Fahrgästen und den Spritpreisen gibt, könne man derzeit noch nicht bestimmt sagen, teilte BVG-Sprecherin Petra Reetz mit. Ähnlich sieht es S-Bahnsprecher Ingo Priegnitz.

Eine volle Tankfüllung kostet inzwischen etwa so viel wie eine Monatskarte für den Nahverkehr. Ein Umsteigen sei also finanziell durchaus lohnend, sagte Elste. Exakte Zahlen gebe es derzeit jedoch nicht, sagte Reetz. Was Fahrgäste bewogen habe, Bahnen und Busse zu nutzen, will die BVG in einer Umfrage erfahren, die derzeit läuft – unabhängig von der Entwicklung bei den Spritpreisen.

BVG und S-Bahn haben nach eigenen Angaben auf jeden Fall in den vergangenen Wochen die Zahl der Monatskartenkäufer erheblich gesteigert. Normalerweise gibt es im Sommer einen Rückgang, weil bei schönem Wetter viele Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden.

Elste in Hamburg denkt sogar schon weiter. Wichtig sei es, Kunden, die wegen hoher Spritpreise auf den öffentlichen Nahverkehr umgestiegen seien, dauerhaft als Fahrgäste zu behalten. Entscheidend sei deshalb auch ein gutes Angebot. Dazu zählt Elste einen Fünf-Minuten-Verkehr bei der U-Bahn auch nach 20 Uhr, wie es ihn in Hamburg gibt, oder Metrolinien bei den Bussen, die Hamburg als zusätzliches Angebot eingeführt hat.

Die BVG dagegen lässt meist schon vor 20 Uhr ihre U-Bahnen nur noch alle zehn Minuten fahren, und beim Umstellen auf Metrolinien hat sie im Gegenzug Linien vor allem in den Außenbezirken aufgegeben. Auch die S-Bahn hat ihr Angebot zum Teil reduziert, vor allem auf dem von ihr als sehr wichtig eingestuften Ring. Im südlichen Abschnitt fahren weniger Züge als noch vor einigen Jahren, und auf dem gesamten Ring sind nur noch Züge mit sechs Wagen unterwegs. Üblich waren in der Vergangenheit Acht-Wagen-Züge.

Zudem hat sich die Pünktlichkeit vor allem bei der S-Bahn verschlechtert. Waren 2006 noch 96,2 Prozent der Züge pünktlich, sank die Quote nach Angaben des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg ((VBB) im vergangenen Jahr auf nur noch 93,4 Prozent. Der VBB überprüft nur die Werte bei der S-Bahn und im Regionalverkehr der Bahn, für die BVG ist seit Abschluss des Verkehrsvertrages in diesem Jahr der Senat zuständig.

Auch wenn sich die BVG mit einer Bewertung der Folgen des hohen Spritpreises noch zurückhält, ist sie überzeugt, dass für sie die Folgen des Streiks im Frühjahr überwunden sind. Zunächst hatte BVG-Chef Andreas Sturmowski befürchtet, dass der wochenlange Ausfall von Bahnen und Bussen zu einem dauerhaften Abschied von Fahrgästen führen könnte. „Doch vom Streik haben wir uns schnell erholt“, sagte Reetz. Klaus Kurpjuweit

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