Nahverkehr in Berlin : Vandalismus in U- und S-Bahn geht zurück

Elf Millionen Euro Schaden – aber BVG und S-Bahn melden einen Rückgang der Zerstörungen. Das hat vor allem einen Grund.

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Kein Durchblick. Immer wieder werden S-Bahn-Züge und Fenster besprüht.
Kein Durchblick. Immer wieder werden S-Bahn-Züge und Fenster besprüht.Foto: picture alliance / dpa

Video wirkt wohl. Nach dem Einbau von Kameras in Bahnen und Bussen sind die Vandalismuskosten bei der BVG seit 2008 um insgesamt rund 43 Prozent gesunken. Auf Bahnhöfen haben sich die Kosten durch Vandalen seit dem Installieren zusätzlicher Kameras seit 2011 sogar um fast 70 Prozent verringert. Dies teilte die Senatsverkehrsverwaltung auf eine Anfrage des CDU-Abgeordneten Matthias Brauner mit. Trotzdem mussten die BVG und die S-Bahn im vergangenen Jahr immer noch zusammen mehr als elf Millionen Euro aufwenden, um Vandalismusschäden zu beseitigen. 2011 waren es noch mehr als 13 Millionen Euro.

Im Zuge der Kameraüberwachung ist auch die Zahl der mutmaßlichen Täter zurückgegangen. Waren es bei der BVG im Jahr 2011 noch 276, sank die Zahl im vergangenen Jahr auf 173. Zurückgegangen ist in den vergangenen fünf Jahren auch die Zahl der Verurteilten – von 207 auf 105. Allerdings seien die Verfahren zum Teil noch nicht abgeschlossen, sagte BVG-Sprecher Markus Falkner. Die Zahlen würden sich 2015 deshalb noch erhöhen. Auch die eingetriebenen Schadenersatzforderungen haben sich verringert. 2011 kassierte die BVG noch rund 22 700 Euro, für 2015 gibt sie bisher 4800 Euro an. Auch hier seien aus den vergangenen Jahren noch Forderungen offen, heißt es in der Antwort.

Kameras helfen

Die Polizei führt eine andere Statistik. Danach ist die Zahl der erfassten Sachbeschädigungen bei der BVG in den drei zurückliegenden Jahren mit jeweils rund 2000 fast konstant geblieben – wie auch die Zahl der aufgeklärten Fälle, die durchschnittlich bei etwa 400 liegt.

Bei der BVG sind in allen U-Bahnen sowie bei 95 Prozent der Busse und bei 76 Prozent der Straßenbahnen Kameras eingebaut; auch alle 173 U-Bahnhöfe werden mit Videotechnik überwacht, die in den vergangenen Jahren modernisiert worden ist. Die S-Bahnen fahren dagegen ohne Überwachung. Erst die bestellten neuen Züge für den Betrieb auf dem Ring werden auch mit Kameras ausgestattet sein. Ob die Altfahrzeuge nachgerüstet werden, ist offen. Sie müssen umfassend aufgemöbelt werden, um länger im Einsatz bleiben zu können, weil sich das Liefern neuer Bahnen durch die vom Senat jahrelang verschleppte Ausschreibung des Ring-Betriebs verzögert hat.

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Auch beim Einbau von Kameras auf Bahnhöfen hat sich die Bahn Zeit gelassen. Aufzeichnungen gab es zunächst nur auf S-Bahnhöfen, in denen auch Regionalzüge halten. Dazu gehören der Ostbahnhof, Alexanderplatz, Friedrichstraße, Zoologischer Garten, Spandau, Gesundbrunnen, Potsdamer Platz und Südkreuz. Dort werden die Bahnsteige und die Zugangsbereiche überwacht. Erst 2014 kamen die Station Hackescher Markt sowie der Bahnsteig der Ringbahn am Ostkreuz dazu. Seit diesem Jahr nutzt man zudem auf 82 Haltestellen auch die Kameras, die für die Zugabfertigung durch die Fahrer installiert sind, zum Speichern von Bildern. Diese Kameras erfassen aber nur den Ein- und Ausstiegsbereich der Züge.

BVG beugt vor

Deutlich verringert hat sich die Zahl der Übergriffe. Meldete die BVG 2012 noch 1004 Attacken auf Mitarbeiter, waren es im vergangenen Jahr 642. Die meisten Vorfälle gibt es laut Statistik im Mitte, gefolgt von Charlottenburg-Wilmersdorf und Friedrichshain-Kreuzberg. Am wenigsten hatten die Mitarbeiter in Treptow-Köpenick zu befürchten, wo es keine U-Bahn gibt. Die S-Bahn hatte einen Höchststand im Jahr 2013 mit damals 183 gemeldeten Übergriffen. 2015 verringerte sich die Zahl auf 156.

Die Betriebe versuchen außerdem, Schäden vorzubeugen. Gegen das Zerkratzen von Scheiben wehren sie sich mit dem Aufkleben von Folien, die die BVG bei der U-Bahn mit einem Motiv des Brandenburger Tors „verschönert“. Das Entnehmen von Feuerlöschern, deren Inhalt die Täter dann häufig versprühen, sollen Kontaktschleifen verhindern. Und der Lack ist meist so versiegelt, dass Graffiti leichter entfernt werden können. Ferner ist auch beim Sicherheitsdienst aufgestockt worden.

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