Nahverkehr : Keine S-Bahn mehr zwischen Zoo und Ostbahnhof

Das gab es bisher nur bei Streiks oder kriegsbedingt: Zweieinhalb Wochen lang wird von Montag an keine S-Bahn zwischen Ostbahnhof und Zoo fahren – aus technischen Gründen.

Klaus Kurpjuweit,Lars von Törne
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Auf Außenstrecken wird der Verkehr zum Teil komplett eingestellt; Fahrgäste müssen auf Busse ausweichen. Rund 1,3 Millionen Berliner, Brandenburger und Besucher hatten vor den Einschränkungen des Betriebs zuletzt die rot-gelben Züge täglich genutzt. Ein erheblicher Teil davon in der Innenstadt. Diese Fahrgäste müssen sich jetzt von Montag an andere Wege suchen; auf die BVG ausweichen, mit dem Rad fahren oder zu Fuß gehen.

Im Ost-West-Verkehr können die Fahrgäste zwischen Alexanderplatz und Zoo/Charlottenburg auf die U-Bahn-Linie U 2 der BVG ausweichen. Als Ersatz für den eingeschränkten Nord-Süd-Verkehr fahren zwischen Südkreuz und Gesundbrunnen vier Züge durch den Fernbahntunnel mit Halt am Potsdamer Platz und im Hauptbahnhof. Dieses Angebot hatte es bereits zur Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer 2006 gegeben.

Die Verkehrsunternehmen schlagen auf ihren Internetseiten auch weitere Alternativen mit Bahnen und Bussen der BVG vor. Auch telefonisch gibt es dazu Auskünfte. Allerdings dauert die Alternativ-Fahrt meist erheblich länger.

Als Ausrede beim Zuspätkommen am Arbeitsplatz wird der Fast-Ausfall der S-Bahn allerdings kaum von den Arbeitgebern akzeptiert werden, weil bereits jetzt auch die Einschränkungen des Betriebs ab Montag hingewiesen wird. Schon seit mehr als zwei Wochen gilt ein Notfahrplan. Nur auf dem Ring wurde noch normal gefahren; in der Hauptverkehrszeit sogar alle fünf Minuten. Auf den anderen Linien kamen die Züge meist nur noch alle 20 Minuten; die Linien S 45 (Flughafen Schönefeld–Hermannstraße) und S 85 (Grünau/Schöneweide–Waidmannslust) waren bereits eingestellt.

Forderungen, Fernzüge auch wieder im Bahnhof Zoo halten zu lassen, hat die Bahn – bisher – nicht erfüllt. Wer ab nächster Woche mit einem ICE am Hauptbahnhof ankommt und sein Ziel im westlichen Zentrum hat, muss sehen, wie er dorthin kommt – mit einem Regionalzug oder mit Bussen der BVG. Im Bahnhof Zoo lässt die Bahn seit der Eröffnung des Hauptbahnhofs keine ICE- oder IC-Züge mehr stoppen.

Wer regelmäßig die S-Bahn nutzt, hat in der Vergangenheit schon mehrfach nach Alternativen suchen müssen. Wegen Bauarbeiten war der Nord-Süd-Tunnel schon monatelang gesperrt und auch die Stadtbahn zwischen Zoo und Ostbahnhof war deshalb schon unterbrochen. Diese Verbindung ist allerdings so wichtig, dass die Bahn während der Sanierung der Viaduktstrecke 1994 bis 1996 die S-Bahnen über die Fernbahngleise fahren ließ, die dafür extra elektrifiziert worden waren. Sogar Behelfsbahnsteige hatte man damals errichtet. Daran ist jetzt nicht zu denken.

S-Bahnen aus anderen Städten können in Berlin nicht eingesetzt werden, weil das technische System hier ein Unikat ist. Allerdings wäre es möglich, Dieseltriebwagen oder von Dieselloks bezogene Züge einzusetzen. Hierbei gäbe es aber zum Teil sehr hohe Stufen beim Ein- und Aussteigen. Außerdem dürften solche Züge nicht schneller als 40 km/h fahren, weil ihnen die für die S-Bahn typischen Sicherheitseinrichtungen fehlen.

Wegen des Fahrzeugmangels hat Brandenburg darauf verzichtet, nach Teltow alle zehn Minuten S-Bahnen fahren zu lassen. Damit bleibt es beim 20-Minuten-Takt. Brandenburg hatte ab Ende August den Zehn-Minuten-Verkehr nach Teltow bei der S-Bahn bestellt.

Ab der ersten Augustwoche will die S-Bahn Woche für Woche jeweils 25 bis dahin gründlich geprüfte Züge wieder in Betrieb nehmen, sagte DB-Vorstand Ulrich Homburg am Donnerstag. „Das ist eine planbare Grundlage". Zusätzlich werde am heutigen Freitag auch in einem weiteren Spitzentreffen mit Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) sowie den Vorständen von BVG, S-Bahn und Deutscher Bahn die „sukzessive Inbetriebnahme" der S-Bahn-Züge abgestimmt. Desweiteren sind wöchentliche „Jour Fixes" von Bahn-Führung und Junge-Reyer geplant.

„Jetzt haben wir endlich eine Handlungsgrundlage, erstmals sind wieder verlässliche Aussagen möglich", sagte Homburg zum neuen Bescheid des Eisenbahn-Bundesamtes. „Es werden alle Ressourcen eingesetzt, um den Prozess zu beschleunigen."

Zu den auch wegen der anstehenden Urlaubszeit begrenzten Ressourcen der BVG sagte Homburg: „Urlaub heißt auch, dass die Verkehrssituation entspannter ist." Dennoch sei auch mit noch so umfangreicher Hilfe der BVG das S-Bahn-Angebot „nicht vollständig ersetzbar".

Immerhin hatte Homburg gestern auch eine gute Nachricht für die Fahrgäste: Mit diesen erneuten Verschlechterungen, die von Montag an gelten, sei jetzt die Talsohle im Angebot erreicht und weitere Einschränkungen seien nicht zu befürchten. Anfang Dezember will die S-Bahn wieder den normalen Betrieb aufnehmen.

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