Berlin : Nahverkehr: S-Bahn will kein preiswertes Job-Ticket

Klaus Kurpjuweit

Was zusammenkommen soll, ist sich derzeit spinnefeind. Die Folgen spüren auch die etwa 140 000 Landesbediensteten. Weil sich die BVG und die S-Bahn nicht über die Modalitäten für ein Job-Ticket im öffentlichen Dienst einigen können, müssen die Nutzer von Bahn und Bus derzeit mehr zahlen, als die BVG von ihnen verlangen will.

Die BVG und Innensenator Ehrhart Körting (SPD) sind sich einig: Das Job-Ticket soll 15 Prozent günstiger sein als der Normaltarif. Dies ist nach den Bestimmungen der höchst mögliche Rabattsatz. Und daran stört sich die S-Bahn, die an den Verhandlungen, die sich seit Jahren hinziehen, nicht beteiligt war. Sie hält den Preisnachlass für zu hoch, weil es keine Berechnungen gebe, wie viele der Bediensteten sich überhaupt ein billigeres Ticket kaufen würden, wie S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz sagte.

Dem widerspricht seine Kollegin von der BVG, Barbara Mansfield. "Ein solches Angebot machen wir nur, wenn klar ist, dass es sich für beide Seiten lohnt". Die Mindestabnahme liegt bei 100 Tickets. Die S-Bahn selbst hat den Bundesbehörden schon 1999 den Höchstsatz von 15 Prozent gewährt - und den 10 000. Käufer groß gefeiert.

Die S-Bahn, die sich nach dem Willen des Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und von Bahnchef Hartmut Mehdorn mit der BVG zusammenschließen soll, fühlt sich aber auch bei der von der BVG vorgesehenen Einnahmeaufteilung benachteiligt. 75 Prozent der Einnahmen aus diesem Geschäft will die BVG behalten. Das entspreche nicht dem Leistungsangebot, wettert Priegnitz und fordert für die S-Bahn einen höheren Anteil. Über die Aufteilung der Einnahmen aus dem Normalgeschäft streiten sich beide Seiten schon seit Jahren.

Auf Granit stieß die BVG bei der S-Bahn und der Regionalbahn zudem mit der Idee, zur Euro-Einführung ein Drei-Monats-Ticket, "Euro Easy" genannt, anzubieten. So sollte der Verkauf in der Umstellungszeit von Mark auf Euro vereinfacht werden, sagte Mansfield. Das Ticket für Dezember bis Februar wäre etwas billiger gewesen als der Kauf von drei einzelnen Monatskarten.

Auch andere Betriebe im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) hätten nach Angaben von VBB-Sprecherin Ingrid Kudirka mitgemacht, doch S-Bahn und Regionalbahn setzten sich mit ihrem Nein durch. Ihrer Ansicht nach ist eine solche Karte überflüssig. Viel lieber würde die S-Bahn wieder die Kleingruppenkarte einführen, doch hier sperrt sich die BVG. Die Fusionsstrategen haben noch viel zu tun.

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