Nahverkehr : Wagenmangel bei der BVG: U-Bahn-Züge überfüllt

Die neuesten Fahrzeuge stehen wegen defekter Achsen in der Werkstatt, täglich fehlen 14 Wagen für den Betrieb. Ähnliche Probleme gibt es auch bei der S-Bahn. Auf einen Reservebestand verzichten beide.

Klaus Kurpjuweit
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Ab in die Werkstatt. Die neuen Züge müssen schon zur Reparatur. Foto: Imago/Friedel

Fahrgäste im Nahverkehr dürfen ihre Fahrt derzeit in vollen Zügen genießen. Nach der S-Bahn gibt es nun auch bei der U-Bahn einen Wagenmangel, so dass die BVG selbst auf Linien mit hoher Nachfrage zum Teil auch im Berufsverkehr nur kürzere Züge einsetzen kann. An den ersten der im Sommer 2007 gelieferten Züge der Baureihe HK, bei der vier Wagen durchgehend begehbar sind, müssen nach Angaben der BVG die Achsen erneuert werden, weshalb die Fahrzeuge im Betrieb fehlen. Reserven gibt es kaum noch.

Derzeit stehen nach Angaben von BVG-Sprecherin Petra Reetz 28 von insgesamt gelieferten 80 Wagen in der Werkstatt. Weil die Reserven nicht ausreichen, fehlten jetzt täglich 14 Wagen für den Betrieb. Um den Fahrplan einhalten zu können, rollen Züge deshalb mit weniger Wagen als üblich. Die Reparaturen sollen bis Jahresende abgeschlossen sein, sagte Reetz.

Betroffen sind die Linien U 1 bis U 4. Während auf der U 4 (Nollendorfplatz–Innsbrucker Platz) ohnehin nur kurze Züge eingesetzt werden, fahren jetzt auf der U 1 (Warschauer Straße–Uhlandstraße auch im Tagesverkehr zum Teil nur noch Züge mit vier statt sechs Wagen. Auf der U 2 (Pankow–Ruhleben) sind selbst im abendlichen Berufsverkehr statt der üblichen acht Wagen bei mehreren Zügen nur sechs im Einsatz.

Anders als die S-Bahn wurde die BVG von den Problemen an den Achsen nicht überrascht. Bereits nach dem Eintreffen der ersten Züge von Bombardier hatte die BVG im Sommer 2006 die weitere Abnahme der bestellten 20 Züge zu je vier Wagen gestoppt, weil die Aufsichtsbehörde die Achsen moniert hatte. Die erwartete Laufleistung lag erheblich unter den Vorgaben der Bestellung. Erst ein Jahr später beendete die BVG den Lieferstopp. Das Problem war aber nicht gelöst; es war klar, dass die Achsen früher als vorgesehen erneuert werden müssen. Bei der BVG heißt es, dass die jetzt erforderlichen Arbeiten nicht vom Unternehmen finanziert werden müssten. Ursprünglich hatte die BVG auch Schadenersatz gefordert.

Die S-Bahn fährt auf zwei Linien schon seit Anfang des Monats mit kürzeren Zügen. Sie muss, wie berichtet, die Achsen der Züge ihrer modernsten Baureihe 481 in kürzeren Intervallen prüfen als bisher – statt alle 120 000 Kilometer nun alle 60 000 Kilometer. Die Achsen bestehen aus einem ähnlichen Material wie beim ICE der Bahn, wo ein Achsenbruch einen Zug entgleisen ließ.

Von den 630 vorhandenen Viertelzügen, die jeweils aus zwei Wagen bestehen, gehören 500 zur betroffenen Baureihe 481. Aber auch Fahrzeuge der älteren Reihe 485, die noch für die Reichsbahn der DDR entwickelt worden war, mussten abgestellt werden, weil sie Risse im Fußboden haben.

Auf einen großen Reservebestand, wie er vor Jahren noch üblich war, haben die BVG und die S-Bahn inzwischen verzichtet, um Kosten zu sparen. Dies räche sich jetzt, und die Fahrgäste seien die Leidtragenden, sagte der Vorsitzende des Fahrgastverbandes Igeb, Christfried Tschepe. Die Wagen reichten nur noch für den Normalbetrieb. An zusätzliche Leistungen wie bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 sei gar nicht mehr zu denken.

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