Berlin : Nalepastraße: Millionenbieter kommt nicht zum Zug

Auktionator zieht Zuschlag für früheres DDR-Rundfunkgelände zurück: „Erwerber erfüllte Auflagen nicht“

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Hüh und Hott beim Verkauf des früheren DDR-Rundfunkgeländes an der Nalepastraße in Köpenick: Erst am vergangenen Samstag ersteigerte der Berliner Schönheitschirurg Mustafa Mahjoub – wie berichtet – einen Teil des Areals für 4,75 Millionen Euro. Das ist ein weitaus höherer Preis, als die öffentliche Hand zuvor dafür erzielt hatte. Empörung über die Unfähigkeit der Verwaltung und Hoffnung auf die Seriosität des neuen Erwerbers waren die ersten Reaktionen auf diesen Deal, doch gestern platzte das Aufsehen erregende Geschäft dann überraschend: Nach einem Bericht der RBB-Spätabendschau soll Mustafa Mahjoub das Gelände doch nicht erhalten.

Auktionator Mark Karhausen bestätigte dies dem Tagesspiegel am späten Abend. Mahjoub habe seine Auflagen bis Montag nicht erfüllt, deshalb werde er „den Zuschlag nun zurücknehmen und einem anderen Bewerber geben“, sagte Karhausen. Einen Namen wollte er nicht nennen. Laut „Abendschau“ ist Mahjoub zu einem Termin am Montag nicht erschienen. Er selbst war gestern Abend nicht erreichbar.

Schon kurz nach der Auktion hatte Karhausen erklärt, er wolle „mit Argusaugen darüber wachen“, dass der Käufer mit den Dutzenden Gewerbemietern des Objektes und mit den Behörden ein solides Konzept für die Weiternutzung und Aufwertung des Areals als Medienstandort erarbeite. „Als Auktionator habe ich volle Verfügungsgewalt über den Zuschlag und kann ihn auch zurücknehmen.“

Das Gelände an der Nalepastraße hatte seit der Wende den neuen Ländern und Berlin gehört. Im November 2005 wurde es unter der Regie der landeseigenen Immobiliengesellschaft von Sachsen-Anhalt (Limsa) für 350 000 Euro an eine Baumaschinenvermietung aus demselben Land verkauft. Diese handelte geschäftstüchtiger, indem sie das Areal in drei Stücke aufteilte: Dadurch lässt es sich weitaus gewinnbringender veräußern.

Dass diese Strategie aufging, erwies sich am vergangenen Samstag, als das erste der drei Stücke versteigert wurde. Alleine dafür bot Mustafah Mahjoub fast 14 Mal so viel, wie die öffentliche Hand zuvor für das gesamte Areal erzielt hatte. Und etliche Mitbewerber steigerten kräftig mit. Nach Ansicht des Auktionators hätte die Limsa dasselbe Geschäft machen können, das sie nun der privaten Baumaschinenvermietung überlassen hat.

Sofort nach der Auktion meldeten sich auch andere Kritiker. Nach Ansicht der Berliner FDP muss der Senat aus dem entgangenen Millionengeschäft die Konsequenz ziehen, landeseigene Immobilien künftig möglichst versteigern zu lassen, statt sie wie bisher auszuschreiben.

Das Areal gehörte den neuen Bundesländern bis zum Verkauf im November gemeinsam; Berlin besaß etwa acht Prozent. In Sachsen-Anhalt, dem wegen seines knapp 19-prozentigen Anteils ein noch größerer finanzieller Schaden entstanden ist, will die PDS/Linkspartei jetzt „den Landesrechnungshof in die Spur schicken“. Beim Berliner Landesrechnungshof hieß es dagegen, man könne wegen des geringen Berliner Anteils nicht aktiv werden. Ähnlich argumentiert die Berliner Verwaltung, die sich als Minderheitsgesellschafter nicht handlungsfähig sieht. obs/cs

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