Berlin : Namenlos

Jens Mühling

Manchmal staunt man ja, was vor dem Berliner Verwaltungsgericht so alles verhandelt wird. Ha! – würde Gerichtspräsident Alexander Wichmann erwidern: Sie sollten sich erst mal ansehen, was bei uns nicht verhandelt wird! Einmal im Jahr präsentiert der Mann ausgewählte Skurrilitäten aus dem Fundus nicht angenommener Klagen: 2005 wollte beispielsweise ein Berliner gerichtlich gegen die „Überfrachtung der Sprache mit Anglizismen“ vorgehen. Ein anderer scheiterte mit dem Ansinnen, aus dem Staatsnamen Bundesrepublik Deutschland das Wort „Deutschland“ zu streichen, weil damit Ausländer diskriminiert würden. Beides abgewiesen als „unzulässige Popularklagen“ – aber vielleicht wäre zusammen ein Schuh draus geworden? Sollte aus der Bundesrepublik nicht auch die „Republik“ gestrichen werden, um einer Überfrachtung des Deutschen mit Latinismen vorzubeugen? „Bund“ muss weg, weil so die Engländer die Uferpromenade von Shanghai tauften. Bleibt noch „-es“ – was auch nicht geht, weil es dem österreichischen Sprachschatz des Sigmund Freud entstammt. Tja… in was für einem Land leben wir eigentlich?

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