Namensstreit : Parchimer Allee darf nicht Hufeisensiedlung heißen

Die zum Weltkulturerbe gekürte Hufeisensiedlung in Britz wird auch in Zukunft auf keinem U-Bahn-Plan zu finden sein. Der U-Bahnhof Parchimer Allee liegt zwar mitten in der Siedlung, die Senatsververwaltung befürchtet jedoch bei einer Umbenennung Missverständnisse.

Klaus Kurpjuweit

 Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) lehnt es ab, die Station Parchimer Allee der Linie U 7 in Hufeisensiedlung umzubenennen, wie es der Verein „Freunde und Förderer der Hufeisensiedlung Berlin-Britz“ vorgeschlagen hatte. Die Hufeisensiedlung liege im Bereich von zwei U-Bahnhöfen; auch die Station Blaschkoallee zähle dazu. Nur eine der Stationen umzubenennen, könne zu Missverständnissen führen, sagte Junge-Reyer gestern. Sie habe die BVG aber gebeten, in beiden Bahnhöfen zusätzliche Hinweisschilder zur Hufeisensiedlung anzubringen.

Für Ortsunkundige sei die Siedlung schwer zu finden, hatte zuvor Vereinsvorstand Christoff Jenschke argumentiert. Fast auf keinem Stadtplan sei sie vermerkt. Ein U-Bahnhof Hufeisensiedlung würde die Orientierung dagegen erheblich erleichtern. Und der Bahnhof Parchimer Allee liege mitten in der Siedlung.

Stationen der U-Bahn umzubenennen, ist in Berlin ein schwieriges Unterfangen. Die FU ist mit dem Versuch gescheitert, aus der Station Thielplatz den Bahnhof Freie Universität zu machen. Hier begründeten die BVG und die Senatsverwaltung ihre Ablehnung ebenfalls damit, dass die Institute der FU von mehreren Bahnhöfen aus erreichbar seien.

Dagegen heißt der Bahnhof Zinnowitzer Straße an der U 6 wahrscheinlich ab kommenden Dezember Naturkundemuseum. Diesem Wunsch, vom Fahrgastverband IGEB und dem Museum angeregt, stand die BVG von Anfang an aufgeschlossen gegenüber, und auch Junge-Reyer hat ihren Widerstand inzwischen weitgehend aufgegeben. Die Kosten für die Umbenennung will ein Sponsor übernehmen.

Einfach sind Bahnhofsumbenennungen nur, wenn die Politik es selbst will. In einem Hauruck-Verfahren wurde nach der Wende zahlreiche Namen aus der DDR-Vergangenheit getilgt und dabei auch in Kauf genommen, dass Stationen mehrfach hintereinander die Bezeichnung wechselten.

Keinen Widerstand gab es auch, als 2003 das Aufzugsunternehmen Otis den Bahnhof Seidelstraße der U 6 in Tegel in Otisstraße umbenennen wollte. Diesem Wunsch waren Senat und BVG gefolgt. Die Kosten für die Umbenennung hatte auch hier das Unternehmen übernommen, das nun mit dem neuen Bahnhofsnamen werben kann. Klaus Kurpjuweit

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