Berlin : Napoleonisch

Andreas Conrad

möchte endlich mit seinem Auto in den Untergrund Als Tunnelbauer war Napoleon ein Versager: Träumte von schneller Unterquerung des Ärmelkanals, um so die Engländer auf ihrer Inselfestung auszuräuchern, doch wie lange hat es dann gedauert? Knapp 200 Jahre. Nehmen wir Berliner uns also den kleinen Korsen als Maßstab, so stehen wir mit unserem Tiergartentunnel gar nicht so übel da. Unterstellen wir hypothetisch, es dauere noch ein Jahrhundert, bevor das Jahrtausendbauwerk endlich allgemein genutzt werden kann: Berlin wäre Napoleon noch immer weit überlegen. Das ist gut fürs eigene Ego, verhindert aber nicht gewisse Probleme in der Fremdwahrnehmung der Stadt. Kinofreunde zum Beispiel wissen, dass Matt Damon in der „Bourne Verschwörung“ durch den Tiergartentunnel gebraust ist, einen russischen Killer im Nacken. Auch als Partyort hatte das Millionenloch, dessen langwierige Fertigstellung jüngst ins Gerede geraten ist, sein Debüt längst hinter sich. Was also wird man andernorts von uns Berlinern denken? Wenn wir Glück haben, schüttelt man nur resigniert den Kopf und murmelt: Napoleonische Verhältnisse!

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