Berlin : Nase putzen!

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Von Andreas Conrad

Man darf davon ausgehen, dass es in der Häschenschule ökologisch hochkorrekt zugegangen ist. Schon die Vorbereitungen auf den Schulbesuch müssen einer Umweltministerin wie Renate Künast lautes Jauchzen entlocken: „Kinder, spricht die Mutter Hase, / putzt euch erst einmal die Nase / mit dem Kohlblatttaschentuch.“ Knapp 80 Jahre sind diese Zeilen alt, gedichtet von Albert Sixtus, und Fritz Koch-Gotha hat dazu die Bilder gemalt. Ist derlei naturverbundene Ermahnuung noch zu übertreffen? Heute stehen wir nur vor der Wahl, Papier- oder Stofftücher zu benutzen, an ein auf dem Komposthaufen zu entsorgendes Naturprodukt denkt keiner. Vor diesem Hintergrund sind auch die Vorschläge zu bewerten, die die Ministerin zum Schulbeginn für den ökologisch korrekten Schulranzen unterbreitet hat. Radiergummis? Okay, sofern sie keine schädlichen Weichmacher enthalten. Stifte? Ebenfalls erlaubt, aber nur unlackiert. Hingegen Tintenkiller, letzte Rettung für manche blau verschmierte Heftseite? Teufelszeug. Das alles klingt nicht cool, der Preis des ministeriellen Musterranzens ist um so heißer: 192 Euro. An das Ränzchen der „Hasenschule“ reicht er dennoch nicht heran: „Nehmt nun Tafel, Stift und Buch, / tunkt auch eure Schwämmchen ein“ – aber ja, so soll es sein.

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