Berlin : „Nation of Islam“ will Gruppe in Berlin gründen

Vertreter der radikalen Schwarzen-Bewegung hält Vortrag

Constance Frey

Ein Besuch der umstrittenen Art kommt am heutigen Sonnabend nach Berlin. Hilary Muhammad, Vertreter der „Nation of Islam“ (NOI) in Großbritannien hält einen Vortrag zum Thema „Weshalb Reparationen?“. Es geht um Geld, das Schwarze für die Versklavung ihrer Vorfahren einfordern. Hilary Muhammad wird in der Werkstatt der Kulturen in der Neuköllner Wissmannstraße 32 ausschließlich vor Schwarzen auftreten – die Veranstaltung ist ihnen vorbehalten. Mit dem Vortrag möchte die „Nation of Islam“ die Gründung einer Arbeitsgruppe in Berlin anstoßen. Die Werkstatt der Kulturen hat erst auf Anfrage des Tagesspiegels erfahren, wer am 14. Februar in einem ihrer Räume einen Vortrag halten wird. „Wir haben damit erst einmal prinzipiell kein Problem“, sagt Heinz Räther. Veranstaltungen, die nur für Frauen zugänglich sind, gäbe es auch von Zeit zu Zeit. Aber einen Beobachter wird er doch schicken – einen Schwarzen.

1930 wurde die NOI in den Vereinigten Staaten gegründet. Die islamische Bewegung glaubt, dass Schwarze das auserwählte Volk seien. In ihren Moscheen sind nur Schwarze zugelassen. Auf ihrer website veröffentlicht sie ihre Grundsätze. Darin heißt es: „Wir glauben, dass gemischte Ehen oder Rassenmischung verboten werden sollten.“ Und weiter unten: „Wir glauben, dass es Zeit ist für die Trennung von so genannten Negern und so genannten weißen Amerikanern.“ Angeführt wird die Organisation seit 1975 von Louis Farrakhan. Die amerikanische Bürgerrechtsbewegung Anti Defamation League hat einige seiner Äußerungen im Wortlaut festgehalten: „Ich finde, dass die kleine Zahl von Juden in den Vereinigten Staaten einen außerordentlich großen Einfluss auf die Regierung hat.“ Außerdem wettert er unter Berufung auf die Bibel gegen Homosexuelle. Verschiedene Bürgerrechtsbewegungen erzählen von Treffen zwischen Farrakhan und Mitgliedern von neo-nazistischen Vereinigungen. Die in Chicago ansässige Bewegung ist bisher in Deutschland nicht aktiv gewesen.

Tahir Della gehört der deutschsprachigen Arbeitsgruppe der NOI an, die 1998 in der Schweiz gegründet wurde. Die Teilnehmer werden durch Lektüre des Korans und von Texten der NOI auf die Mitgliedschaft in der Organisation vorbereitet. „Wir haben auch Veranstaltungen mit Videos von Louis Farrakhan organisiert. Aber die Gruppe kann auch für sich existieren, ohne öffentlich aufzutreten.“ Er hat Hilary Muhammad nach Berlin eingeladen. „Es soll keine Werbeveranstaltung werden, sondern eine Auseinandersetzung mit unseren Thesen“, sagt Tahir Della.

Das hofft auch Andreas Hartwig, Veranstalter der Black Community Weeks. Die „Nation of Islam“ ist an ihn herangetreten, um im Rahmen der Kulturwochen einen Vortrag zu halten. „Eine geschlossene Veranstaltung widerspricht unserer Bedingung, dass jeder Beitrag offen für alle sein muss. Daher habe ich von unseren Gästen das Versprechen eingeholt, dass es keine verbale Eskalation geben wird.“

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