Natur in Berlin : StadtNatur zeigt die grünen Seiten der Hauptstadt

Es krabbelt, es kriecht, es tapst, es fliegt: Die Stadt ist voller Tiere, kaum jemand sieht sie. Das soll sich am Wochenende ändern: Mit 26 Stunden "StadtNatur" pur.

Vinzenz Greiner
Ein Fuchs posiert vor dem Fernsehturm. Am Wochenende findet der Lange Tag der Stadtnatur zum achten Mal statt.
Ein Fuchs posiert vor dem Fernsehturm. Am Wochenende findet der Lange Tag der Stadtnatur zum achten Mal statt.Foto: dpa

Die Sonne brennt auf den Platz am Fernsehturm hinunter, auf dem sich dösige Menschen durch die Hitze schleppen. Plötzlich zischt etwas über den Köpfen vorbei, mit 40 bis 50 Stundenkilometern, kleine Rangeleien brechen aus. „Eine Gang von Halbstarken“ nennt Derk Ehlert die Jungtiere der Mauersegler, von denen es in Berlin bis zu 15 000 Brutpaare geben soll.

Vor 150 Jahren hätten diese Vögel noch in Wäldern gelebt, sagt Ehlert, der für die Senatsverwaltung die Tierwelt der Stadt beobachtet. „Wir sollten stolz darauf sein“, sagt er, „ dass sie jetzt in Berlin leben.“ In der Stadt, die niemals schläft. Nicht nachts. Nicht tagsüber. Immer krabbelt, tapst und fliegt es. Aber nicht nur im grünen Bereich. Sondern auch auf den Verkehrs- und Siedlungsflächen, die laut Senatsverwaltung nur gut 56 Prozent der Landesfläche ausmachen. Man muss nur genau hinsehen, um das Leben zwischen Beton und Asphalt wahrzunehmen.

Dafür braucht man manchmal gute Augen – oder einen Experten mit solchen. „Da am Roten Rathaus wohnt eine Rote-Listen-Art“, sagt Ehlert und meint damit nicht etwa sozialdemokratische Regierende. Sondern drei Wanderfalken- Pärchen, die oben am Rathausturm nisten. Manchmal wechselten sie auch einen Turm weiter zur St. Marienkirche, erklärt der Wiltierexperte. Er trägt ein Safari-Hemd, um den Hals baumelt ein Fernglas. Für diejenigen, die bei dem Rundgang durch die städtische Tierwelt „Wilde Nachbarn und geheime Stadtoasen“ mit dem Fernglas die Vögel nicht erspähen können, zückt er aus seiner abgewetzten Umhängetasche ein Vogelkundebuch. „Nur was man kennt, kann man auch schützen“, meint Ehlert.

Derk Ehlert, der Wildtierbeauftragte des Senats.
Derk Ehlert, der Wildtierbeauftragte des Senats.Foto: dpa

Für Touristen und echte Naturfreaks

Sein Arbeitgeber, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, fördert eine solche „Umweltbildung“. Am Sonnabend um 16 Uhr beginnt diesbezüglich eine landesweite Weiterbildung für etwa 20 000 Wissbegierige: Der Lange Tag der StadtNatur. Inspiriert von der Langen Nacht der Museen richtet die Stiftung Naturschutz das 26-stündige Event in Berlin aus – und das schon zum achten Mal. Unter den 500 Veranstaltungen, die 150 Referenten, Verbänden und Privatpersonen organisieren, ist für jeden etwas dabei.

Es gibt zahlreiche Rundgänge, ähnlich dem von Herrn Ehlert. Die achtstündige Falkenwanderung am Sonntag vom Alexanderplatz bis nach Hohenschönhausen sei dann aber „eher was für Freaks“, sagt Heidrun Grüttner von der Stiftung Naturschutz Berlin. Ihr Kollege Wolfgang Busmann, der das Projekt Langer Tag leitet, fügt hinzu, dass man „die Umweltbildung in die Breite tragen und auch ,schwierige Altersgruppen’ erreichen“ wolle. Daher werden auch Sportaktivitäten angeboten.

Wassersport zum Beispiel. Am Langen See heißt es am Sonnabendnachmittag „Riemen los!“, wenn Robert Schaddach von der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus Angängern erklärt, wie Sportrudern funktioniert.

Bienenwettrennen und Fuchsjagd

Am Kreuzberg werden am Sonnabend Kräuterführungen angeboten, ganz legal: zu Heilpflanzen. Am selben Tag kann man beim Steglitzer Imkerverein dagegen bei der Veranstaltung „Save the Queen!“ miterleben, wie potenzielle Bienenköniginnen die Thronfolge unter sich ausmachen. Am Sonntagvormittag kann man einem Bienenvolk beim Bienenwettfliegen die Daumen drücken.

Die ein oder andere Führung dürfte auch hinter dem Dom vorbeiführen. Eine große Fuchsfamilie hat bis vor kurzem hier unter einem Baucontainer gewohnt. „Dann ist sie aber in ihre steuerfreie Zweit- oder Drittwohnung weitergezogen“, scherzt Ehlert, ganz in seinem Element. Der Mensch sei eigentlich gar nicht der Feind der Füchse, sondern der Hund. Deshalb hielten sich die Tiere eben an hundefreien Orten auf: Baustellen, Autobahnauffahrten, aber auch Schulen und Kindergärten. Aber keine Angst, sagt Derk Ehlert, Tollwut oder den Fuchsbandwurm haben die Berliner Füchse nicht.

Zum Langen Tag der Stadtnatur gibt es von Sonnabend, 16 Uhr, bis Sonntag, 18 Uhr, durchgehend Veranstaltungen an 150 Orten in der Stadt. Einzeln kosten sie 4 Euro, der ganze 26-Stunden-Tag kostet 7 Euro. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren in Begleitung der Eltern kostenfrei. Das gesamte Programm finden Sie unter: 2014.langertagderstadtnatur.de

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