Berlin : Naumann hat neue Ideen für die Verteilung der Fördergelder

Frederik Hanssen

Gehört Berlin eigentlich zu den Neuen Ländern? Wenn ja, dann hat Kulturstaatsminister Michael Naumann gestern seiner hauptstädtischen Kollegin Christa Thoben die Lösung für viele Probleme geliefert: Auf seine Initiative hin wurde nämlich das Investitionsförderungsgesetz (IfG) für die Kultur geöffnet. Ab sofort ist es Sache der Länder, wie sie die Gelder aus dem wichtigsten Förderprogramm des Bundes in Höhe von jährlich 6, 6 Milliarden Mark aufteilen. "Damit wird sich die Durchsetzungsfähigkeit der Kulturminister zeigen", erklärt Naumann. "In Zukunft wird es schwieriger, unter Hinweis auf die finanzielle Situation Theater zu schließen. Das sage ich mit Blick auf die Situation in Brandenburg."

Sorgenfalten zeigen sich dagegen auf Naumanns Stirn, wenn er von Berlin redet. Einerseits findet er die Haushaltsdisziplin der Berliner Intendanten katastrophal, andererseits hat er sich sehr darüber geärgert, wie die Hauptstadtkulturmittel für 1999 aufgeteilt wurden. Dass aus den Naumann-Millionen mal eben 750 000 Mark für "Intendantenübergänge" am Deutschen und am Maxim Gorki Theater sowie an der Deutschen Oper abgezweigt wurden, obwohl die Chefpositionen an diesen Häusern erst 2001 wechseln, ist in der Tat erklärungsbedürftig.

Wahrscheinlich liegt es auch an diesem Geldverteilungsgebaren der Berliner, dass der "Hauptstadtkulturvertrag 2000" immer noch nicht unterschrieben ist. Man sei "in der Endabstimmung", heißt es aus Thobens Büro, der Verteilungsplan für die 100 Millionen solle "zeitnah in den Senat eingebracht werden". Beim letzten Gespräch Thobens mit Naumann war der Hauptstadtkulturvertrag allerdings seltsamerweise kein Thema.

Michael Naumann blickt dagegen bereits in die Zukunft: Ab 2001 will er die Kulturförderung für Berlin neu ordnen. Nicht mehr nach dem "Gießkannenprinzip" will er das Geld verteilt wissen, sondern es auf wenige Institutionen konzentrieren. Dies sei aber nicht der Versuch, die finanzielle Notlage Berlins machtpolitisch zu missbrauchen. Welche Häuser er - am liebsten zu 50 Prozent, möglicherweise aber auch komplett - übernehmen will, möchte Naumann mit Ausnahme des Jüdischen Museums nicht verraten. Die Staatsoper wird er derzeit wohl nicht haben wollen: Naumann, der als ehemaliges Beiratsmitglied der Hamburgischen Staatsoper gerne das Musiktheater der Hansestadt als Vorbild für eine funktionierende Institution hinstellt, kritisiert, dass einige Berliner Theaterchefs ein Gebaren an den Tag legten, das mit der Realität nicht mehr übereinstimme. Kein Intendant könne künftig damit kalkulieren, überzogene Etats ausgeglichen zu bekommen: "Sie werden dafür in persönlicher Verantwortung stehen." Ohne die Staatsoper konkret zu nennen, fügt Naumann hinzu: "Da werden Stars eingeladen, die mit dem vorhandenen Geld nicht zu bezahlen sind, und die Kultursenatorin wird im Nachhinein gezwungen, das Geld irgendwie zu beschaffen." Auf das Berliner Philharmonische Orchester hat Naumann dagegen ein Auge geworfen - was Christa Thoben allerdings wenig nützen würde. Das Spitzenorchester ist die Institution mit dem höchsten Eigenfinanzierungsgrad.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben