Nepp auf der Straße : Justiz erleichtert Kampf gegen Hütchenspieler

Nach etlichen Anzeigen und Platzverweisen erließ die Polizei kürzlich ein Aufenthaltsverbot gegen einen renitenten Hütchenspieler. Der Mann klagte dagegen - und verlor nun.

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Für Hütchenspieler wird es eng in Berlin: Das Verwaltungsgericht hat ein Aufenthaltsverbot der Polizei bestätigt.
Für Hütchenspieler wird es eng in Berlin: Das Verwaltungsgericht hat ein Aufenthaltsverbot der Polizei bestätigt.Foto: dpa

Das Verwaltungsgericht Berlin hat am Montag ein gegen einen Hütchenspieler verhängtes polizeiliches Aufenthaltsverbot bestätigt. Der Mann war 33 Mal als Hütchenspieler aufgefallen. Dabei hat er vier Strafanzeigen wegen Betrugs, 16 Ordnungswidrigkeitenanzeigen und 12 Platzverweise kassiert – was ihn nicht stoppte. Daraufhin erließ die Polizei erstmals ein Aufenthaltsverbot für die Ost-City. Dagegen klagte der Mann – und verlor. „Zur Verhütung von Straftaten“ sei es der Polizei sehr wohl erlaubt, ein Aufenthaltsverbot für zwölf Monate zu erlassen, urteilten die Richter. Zudem verwiesen sie darauf, dass Hütchenspiel eine Straftat sei.

Für die Polizei kommt das Urteil zur rechten Zeit. Wie berichtet, haben die Kriminellen nach Jahren relativer Ruhe Berlin wiederentdeckt. Vor allem in der Ost-City und am Kurfürstendamm sind wieder täglich die vor allem aus Ex-Jugoslawien stammenden Kleingruppen aktiv. Opfer sind fast immer Berlin-Besucher, schon vor Jahren hatte die Tourismusgesellschaft über zahlreiche Klagen betrogener Touristen berichtet.

Nicht nur Hütchenspieler haben sich auf Touristen konzentriert, auch Taschendiebe und die in in diesem Sommer verstärkt auftretenden „Bettelschwindler“, die ebenfalls stehlen. Wie berichtet, hat die Polizei am Alexanderplatz im August 80 Taschendiebstähle nach Sammelschwindel registriert. Die Dunkelziffer dürfte hoch sein. Gerade Touristen, die nur wenige Tage hier sind, scheuen den Zeitverlust auf einer Polizeiwache. Insbesondere am Alexanderplatz behaupten meist Kinder und Jugendliche „taubstumm“ zu sein und Geld für eine karitative Organisation zu sammeln. In der Regel sind die jungen Menschen aber weder gehörlos noch sprachbehindert und den angeblichen gemeinnützigen Verein, für den sie sammeln, gibt es auch nicht, warnt die Polizei. Dafür sehen die „Sammler“, wohin der Spender seine Geldbörse steckt. Sekunden später provozieren ein, zwei Komplizen ein Gedränge – und schon ist die Geldbörse weg.

Während Hütchenspieler fast ausschließlich aus den Staaten des früheren Jugoslawiens stammen, sind die Bettelschwindler nach Polizeiangaben meist aus Rumänien. Laut Polizei liegt bei Taschendiebstahl der Anteil der „nichtdeutschen Tatverdächtigen“ bei knapp 80 Prozent. Die Erfahrung der Soko „Tasche“ zeigt, dass viele Festgenommene nicht in Berlin gemeldet sind, sondern unkontrolliert nach Berlin gekommen sind. Die 19 Taschendiebe, die im August am Alexanderplatz festgenommen wurden, stammen alle aus Rumänien. Elf von ihnen waren Kinder zwischen elf und 13 Jahren. Sie mussten alle wieder freigelassen werden, die Polizei ist in ihren Fällen machtlos. Zwar dürfen Fingerabdrücke und Personalien festgestellt werden – mehr aber nicht. Sie werden ihren Eltern übergeben. Die Ermittler bezeichnen das als „frustrierend“, aufgeklärt wird so gut wie keine Tat. Wie bei Fahrraddiebstählen liegt die Quote unter fünf Prozent.

Die Bettel-Kinder reagieren teilweise höchst aggressiv. Wie berichtet, hatte sich am Sonnabend ein Elfjähriger gegen die Festnahme gewehrt, indem er den Polizisten mit einem Laserpointer blendete. Der Beamte wurde leicht verletzt. Eine Mittfünfzigerin berichtete, dass ihr ein Kind die Sammellisten ins Gesicht geschlagen habe, als sie eine Spende verweigert habe.

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