Nestlé-Schöller : Vierjährige muss nach Genuss von Kindereis in Klinik

Folgenschwerer Genuss: Nach dem Eisessen muss ein Mädchen aus Rudow mit Halsschmerzen ins Krankenhaus. Ihr wird ein fingernagellanger Plastik-Splitter aus einer Mandel entfernt. Nestlé-Schöller stoppt den Verkauf seines Disney-Koffers mit Spielzeug.

Annette Kögel
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Nestlé-Schöller stoppt den Verkauf seines Disney-Koffers mit Spielzeug. -Foto: tsp

Der Lebensmittelkonzern Nestlé-Schöller hat die Auslieferung seines Kindereis-Produktes „Disney Princess“ mit sofortiger Wirkung gestoppt. Das sagte Hartmut Gahmann, Sprecher der Nestlé Deutschland AG in Frankfurt am Main. Anlass ist ein Vorfall, bei dem ein vierjähriges Mädchen aus Rudow nach dem Genuss des Eises mit heftigen Schmerzen im Hals in die Notaufnahme des Krankenhauses Neukölln gebracht werden musste: Der Chirurg entfernte dem Kind einen fingernagellangen, spitzen Splitter aus Plastik, der in der Mandel steckengeblieben war.

Nach Auskunft der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz seien unverzüglich die zuständigen Bundesbehörden und das Herstellerland Spanien informiert worden. Die Probe des Spielzeugkoffers mit lilafarbenem Plastikschmuck und dem Kunststoffeisbecher werde derzeit im Landeslabor Berlin-Brandenburg untersucht. Die betroffene Mutter entdeckte am äußeren Stanzrand des Eisbechers noch einige dünne, spitze Plastikstacheln. Im Labor werden nun mehrere Proben von kombinierten Speiseeis-Spielzeugprodukten der Herstellerfirma untersucht. So soll geprüft werden, ob etwa die Stanzung des Becherrandes fehlerhaft ist, so dass beim Aufreißen der Siegelfolie Plastikteile ins Erdbeersahneeis fallen konnten oder ob die Plastiknadel möglicherweise vom Koffer selbst abgesplittert ist. Hinweise für eine fehlerhafte Handhabung des Eisbechers liegen offenbar nicht vor.

Die Familie hatte den rosafarbenen Disney-Spielekoffer mit dem Kunststoffeisbecher in einem Neuköllner Indoor-Kinderspielplatz gekauft. Dort beschlagnahmte die zuständige Lebensmittelaufsicht die Produkte aus der Tiefkühltruhe noch am Donnerstagabend, nachdem der Fall den Behörden bekannt wurde.

Nach Auskunft von Nestlé-Sprecher Gahmann sind die Eisprodukte neu auf dem Markt, erhältlich „in begrenztem Umfang in Freizeitparks, Tankstellen und einzelnen Gastronomiebetrieben“. Noch am Freitag teilte der Konzern allen Verkaufsstellen „aus Gründen größtmöglicher Vorsorge“ mit, die Eisverpackungen bis zum Abschluss der Untersuchungen aus den Regalen zu nehmen und den Verkauf auszusetzen. „Wir bedauern das sehr, was dem Kind passiert ist“, sagte Jutta Bednarz von Nestlé Public Relations am Freitag. Man wolle auch Kontakt zu der Familie aufnehmen, um sich zu erkundigen, wie es dem Kind inzwischen geht. In den Labors der Firma, bei der während der Produktion höchste Qualitätsansprüche bestünden, würden jetzt die Eisverpackungen geprüft. Es handele sich lediglich um einen Einzelfall.

Der für Verbraucherschutz zuständige Neuköllner Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD), bestätigte, dass das für Lebensmittel- und Verpackungssicherheit zuständige Ordnungsamt des Bezirkes die Ermittlungen sofort aufgenommen hat.

Unterdessen mahnte der Bundesverband der Verbraucherzentralen Berliner Eltern zu erhöhter Wachsamkeit bei Produkten für Kinder. Allein im Jahr 2007 sei europaweit vor 400 Produkten für Kinder gewarnt worden, weil sie beispielsweise gefährliche Inhaltsstoffe enthielten. So waren Holzkugeln aus China aufgefallen, die den Drogenstoff GHB freisetzten, wenn ein Kind sie verschluckte. „Jeden Tag kommt ein neuer Artikel auf die Liste“, sagt Steffen Küßner, Pressereferent des Bundesverbandes. Die Produkte stehen auf der sogenannten „Rapex“- Liste. Annette Kögel

Die Warn-Liste im Internet:

www.vzbv.de

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