Berlin : Nett war jestern

Ariane Bemmer

Die Freude an Lorbeeren rührt doch daher, dass man sich auf ihnen – zumindest eine Weile – ausruhen darf. Auf Mühe folgt Pause, dann wieder Mühe, dann Pause und so weiter. Wird die Pause ausgespart, erlahmt auch bald die Mühe. Diese bescheidene Weisheit scheint all jenen aus dem Bewusstsein geschwunden zu sein, die aus Muffel-Berlin ein gefühltes Holland machen wollen, mit lauter freundlichen, lächelnden Menschen. Zwar loben die Freundlichkeitsfanatiker noch schnell die Gastlichkeit der Berliner während der WM, doch die uns zustehenden Lorbeeren reißen sie uns schnell wieder vom Kopf und rücken mit dem nächsten Freundlichkeitskurs an. Vermittels der Initiative „Service in the City“ sollen jetzt BVG, S-Bahn und ganze Bezirke durch die „Was darf ich für Sie tun“-Presse genudelt werden, auf dass demnächst jeder Depp, der zur unmöglichsten Zeit die unmöglichste Frage stellt, noch eine liebevolle Antwort bekommt. Aber hier nun droht Überstrapazierung, hier nun gerät die bisherige Lern- und Gutwilligkeit der Berliner ins Wanken, und es mehren sich Stimmen, die rufen: „ Service in the City“ – go home! „Sprach-Lern-CD“ – ab in die Mülle. Endlich wieder wat zu meckern! (Seite 8)

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