Berlin : Netter Junge und brutaler Dieb

Der Polizei fiel Frank P. bereits mit zwei Taten auf

Tanja Buntrock

Seit Freitagabend, als sich Frank P. (Name geändert) durch die Menschenmenge der Hauptbahnhofsparty stach und boxte, gilt er als Amokläufer von Mitte. Auch zwei Tage danach ergibt sich ein zwiespältiges Bild des 16-Jährigen, der mit seinem Vater und zwei von sechs Geschwistern in einem Neuköllner Mehrfamilienhaus wohnt. Die Cousine und der Bruder beschrieben den Jungen Medienvertretern gegenüber als „ganz netten Jungen“. Als einen ganz normalen Jugendlichen, der Snoopy-Boxershorts trägt und mit seinen Neffen auf dem Spielplatz tobt, angeblich in einer Band Bass spielt, türkische Rap-Musik mag und seiner Freundin Gedichte schreibt. Zwischenzeitlich soll der Hauptschüler in einem Call-Center gearbeitet haben. Doch andere, die mit ihm zu tun haben, erzählen von dem 16-Jährigen als „Möchtegern-Macho“. Er soll mit Kumpels oft gekifft und getrunken haben. Um seine Drogen zu finanzieren, habe er Fahrräder geklaut und andere Jugendliche „abgezogen“ – ihnen also Wertsachen geraubt.

Die Polizei weiß davon bislang nichts. In ihre Akten sind zwei „jugendtypische Taten“, wie es hieß, gelangt: Einmal wird Frank vorgeworfen, einen Mitschüler geschlagen zu haben, nachdem dieser ihn beleidigt hatte. Ein anderes Mal hat er offenbar eine Scheibe an der Schule zerstört. Von Drogenkonsum ist den Ermittlern bislang nichts bekannt (siehe nebenstehenden Text).

Nach Tagesspiegel-Informationen besucht Frank P. die Leistikow-Hauptschule in Zehlendorf. Diese Schule kam in den letzten Jahren immer wieder ins Gerede: Vor drei Jahren machte Sawis J., Schüler an der Leistikow-Schule, als „Schulhofschläger“ Schlagzeilen: Er hatte an einer Marienfelder Schule fünf Lehrer verprügelt. Auch der 16-jährige Ken M. (Name geändert), der den siebenjährigen Christian aus Zehlendorf ermordet haben soll, besuchte diese Schule. Bei der Kripo wollen sich die Ermittler nicht dazu äußern. Der Grund: „Wir sind sicher, dass die Schule und die Tatsache, dass er Hauptschüler war, überhaupt nichts damit zu tun haben, dass der Jugendliche diese Tat begangen hat“, sagte ein Ermittler.

Auch die neuen Erkenntnisse, dass Frank während der Eröffnungsfeier für den Hauptbahnhof einem Jugendlichen das Handy geraubt haben soll, stehe für die Kripo „zunächst einmal nicht mit der Tat in Zusammenhang“, hieß es. Frank soll seine Freunde verlassen und dann einen anderen Jugendlichen kennen gelernt haben. Doch diesem schlug er dann offenbar die Nase blutig und raubte ihm das Handy. Dies hat der Jugendliche offenbar Franks Freunden anschließend erzählt.

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