Berlin : Netzwerk Sommerfest

Die Partys in den Landesvertretungen – vor der Wahl werden sie zum Hit

Elisabeth Binder

Für Klimaforscher sind die Sommerfeste in den Landesvertretungen in diesem Jahr während des heraufziehenden Wahlkampfes besonders interessant. Für politische Spürnasen sind die Feste ein Muss. Sponsoren aus den jeweiligen Ländern helfen mit, dass es auf eine erdverbundene Weise üppig zugeht, wenn sich in den Räumen und Gärten Politiker, Medienleute und Wirtschaftsvertreter drängen. Man muss sich gar nicht in den Auguren-Talk einmischen, auch keine Wahlprognosen gelesen haben, um zu erkennen, wem oder was die Stunde schlägt.

Schon zum zweiten Mal in Folge machten die Hessen in diesem Jahr den Anfang, aber als das aufwändige Fest geplant wurde, hatten die Organisatoren wohl noch keine Ahnung von dem Andrang, der sie erwarten würde.

„Reserviert für Sicherheit“, stand auf dem Tisch, an dem Finanzminister Hans Eichel vorsichtshalber Platz genommen hatte. Ob das was nützt? „Es braut sich was zusammen am Himmel über Berlin“, sagte der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) in seiner Eröffnungsansprache bei bewölktem Himmel. „Suchen Sie sich die richtigen Gesprächspartner“, riet er noch vorsorglich, bevor er seine Gäste entließ an die Stände, an denen Sauerkraut serviert wurde, Handkäs’ mit Musik und Spießbraten. Der Ratschlag war sichtlich überflüssig.

Um Angela Merkel hatte sich rasch ein Kamerakessel gebildet, in den ein kleiner Korridor führte, durch den die Huldiger durchgewinkt wurden. Sie trug ein rosa Jackett, ihr Gesicht war entspannt und sprach Bände über alte Weisheiten, wonach wahre Schönheit von innen oder vom Gewinnen kommt. Schwarzes Networking ist ganz offensichtlich das neue Muss der Saison.

Im Vergleich zum letzten Jahr waren auffällig mehr Diplomaten, Wirtschafts- und Medienleute dabei. Auch Helmut Kohl saß da mit seiner neuen Lebensgefährtin Maike Richter, eifrig redend mit dem früheren Forschungsminister Heinz Riesenhuber. Ob es dabei um Kabinettsplätze gegangen sei, wollte später ein Fernsehteam wissen. Blöde Frage. Im Moment, das weiß doch jeder, setzt man offiziell, aber immer breit lächelnd ganz auf belanglosen Smalltalk. Nur dass eben jeder daran teilnehmen möchte.

Vergleichsweise ruhig ging es zwei Tage später zu, als der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) zum Sommerfest mit dem Titel „Heimat05“ immerhin auch 1500 Gäste begrüßte. Der Bevollmächtigte des Landes, Karl-Heinz-Klär, hatte ebenfalls jede Menge Sponsoren motivieren können, sich an dem Fest zu beteiligen, das in Anlehnung an die Film-Trilogie von Edgar Reitz zeigen sollte, wie sehr die Rheinland-Pfälzer an ihrer Herkunft hängen und welch eine Heimat ihnen die Landesvertretung bietet.

Dass es bei Pfälzer Saumagen und Einlagen zu Themen wie „Diät“ und „Alles so teuer“ von einem Telefon-Komiker vergleichsweise ruhig zuging, lag aber wohl eher nicht am Motto. Sondern daran, dass sich viele manisch pragmatische Netzwerker für diesen Abend offensichtlich lieber einen Ort ohne Komik-Programm gesucht hatten.

Normalerweise zieht sich die Saison bis Ende September hin, denn niemand rechnet ernsthaft damit, dass die Abgeordneten und ihre Ansprechpartner im Hochsommer Lust auf Networking haben. Eine Ausnahme bilden die Baden-Württemberger, die traditionell im Juli zur „Stallwächter-Party“ einladen, ein Fest für die, die im Sommer zu Hause bleiben. Die Gastfreundschaft in dem Haus in der Tiergartenstraße ist schon wegen der finanzkräftigen Sponsoren berühmt. Kann aber sein, dass die Party wegen Überfüllung geschlossen werden muss. Denn die Zahl der Stallwächter ist in den letzten Wochen stark gestiegen.

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