Berlin : Neu-Berlin

Elisabeth Binder

freut sich über das Privileg, in dieser Stadt zu leben Wenn die Ferien zu Ende und alle wieder da sind, trumpft die Stadt regelmäßig richtig auf. „Schön blöd, dass ihr weg wart“, scheint sie zu sagen. „Hier gibt es doch auch noch wahnsinnig viel Neues zu entdecken.“ Selbst notorische Couchpotatoes, die normalerweise nur dann ins Museum gehen, wenn sie Gäste von außerhalb herum führen müssen, werden sich an diesem Wochenende vom Strudel der Möglichkeiten und Ereignisse mitreißen lassen. Es gibt nur wenige Städte auf der Welt, die ihren Bewohnern immer wieder frische Perspektiven in solcher Zahl bieten. Neue Räume zu entdecken, ist eine Art Lieblingssportart der Berliner geworden. Seit der Wiedervereinigung sind so viele neue oder neu gestaltete Orte hinzugekommen, dass ein Wochenende gar nicht ausreicht, auch nur einen Bruchteil davon anzuschauen. Aber auf Vollständigkeit kommt es gar nicht an, eher auf das Lebensgefühl, das beim Entdecken und Flanieren entsteht. Es wird nicht immer alles schlechter, wie es der teils chronische, teils auch nur als schick geltende Pessimismus oft zu suggerieren scheint. Egal, ob Familien über die eigenwillige Architektur des Kanzleramts staunen oder Top-Manager sich wundern über die große Eleganz eines Balls in der russischen Botschaft: Diese Stadt steckt voller Überraschungen. Und das beschränkt sich gewiss nicht nur auf neue Gebäude. Touristen lieben Berlin immer mehr, das belegen die steigenden Zahlen. Vielleicht ist es gut, dass an diesem Wochenende alle eingeladen sind, zu Touristen in der eigenen Stadt zu werden.

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