Berlin : Neuanfang im Big Eden

Die Disko hat erneut den Eigentümer gewechselt Der will Erotikshows am Ku’damm zeigen

Bernd Matthies

Es ist schon eine Weile her, dass das „Big Eden“ mit einer gewissen Berechtigung den selbst verliehenen Ehrentitel „Berlins Diskothek Nummer 1“ tragen durfte. 2002, nach Jahren des Niedergangs, kaufte der Arena-Betreiber Falk Walter dem Gründer Rolf Eden den Betrieb am Kurfürstendamm 202 ab, doch sein Versuch, den Ruf des Hauses aufzupolieren, blieb ohne durchschlagenden Erfolg. Ende des Monats wird das „Big Eden“ nun für einen grundlegenden Umbau geschlossen – Walter hat es, wie erst jetzt bekannt wurde, schon vor einem halben Jahr stillschweigend weiterverkauft.

Der neue Besitzer ist der in der Berliner Klubszene unbekannte Immobilienunternehmer Thorsten Müller. Er betrachtet das „Big Eden“ vor allem als bekannte Marke und will dem Vernehmen nach versuchen, Ableger des Stammhauses auch im Ausland zu gründen. Für den Kurfürstendamm kündigt er gehobene Erotikshowprogramme an. Auch eine Küche soll in den kommenden Monaten eingebaut werden. Die Wiedereröffnung ist frühestens für Ende September vorgesehen, könne sich aber auch bis Anfang November hinziehen, hieß es.

Der Ruf des „Big Eden“ beruhte vor allem auf dem seines Gründers Rolf Eden, der sich viele Jahre als einziger bedeutender Playboy Berlins zu inszenieren verstand, den stets großzügigen Gastgeber herauskehrte und zahlreiche Schöne, Reiche und Prominente in den eher unscheinbaren Kellerraum am Kurfürstendamm lockte. Es fanden dort so halbweltbewegende Rituale statt wie die Wahl der „Miss Filmfestspiele“, die in jedem Jahr für ein paar fette Boulevard-Schlagzeilen gut waren.

Der endgültige Niedergang der Diskothek begann in der Wendezeit: Statt aufstrebender Hollywoodstars kamen nur noch Botschaftsluder, und mit dem Abgang der Partyszene in den Osten der Stadt verlor sie gänzlich an Bedeutung und wurde zum Treffpunkt von Jugendlichen, vor allem jungen Touristen. Rolf Eden zog sich 2002, damals schon 72 Jahre alt, zurück und überließ es Walter, dem erfolgreichen Betreiber der Arena, der auch die Programm-Macher des Sage-Clubs ins Boot nahm. Die aber stiegen nach einem halben Jahr wieder aus, weil es ihnen mangels Kontakten nicht gelungen war, die gehobene West-Berliner Kundschaft anzusprechen. Damit hatte sich die Idee, am Kurfürstendamm wieder einen gehobenen Szenetreffpunkt zu etablieren, erledigt.

Seitdem versuchte Walter, den Club nach dem Prinzip des bunten Tellers über Wasser zu halten, ließ vergessene Ein-Hit -Wunder wie „Baccara“ auftreten, veranstaltete kleine Rockfestivals und Showringkämpfe. Ausschlaggebend für den erneuten Verkauf war offenbar die Tatsache, dass Walter mit dem Betrieb der Treptower Arena und dem derzeit laufenden Umbau des alten Metropol-Theaters zum Admiralspalast mehr als ausgelastet ist. „Irgendwann wird das mein Laden sein“, sagte er vor zwei Jahren, als sein Konzept für das „Big Eden“ erkennbar nicht funktionierte. Das hat sich nun endgültig als Fehleinschätzung herausgestellt.

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