Neubau : Neues Zentrum am Hackeschen Markt

Bereits jetzt sind 80 Prozent des "Hackeschen Quartiers" vermietet - dabei soll es erst in einem Jahr fertig sein. Für die vier Neubauten am S-Bahnhof Hackescher Markt hat die Aktiengesellschaft IVG 160 Millionen Euro investiert.

Ralf Schönball
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Offenes Quartier: Gut zu erkennen sind in dieser Animation die Gasse und der Platz am südlichen Rand des Areals. Auch Passanten...Foto: Promo

160 Millionen Euro für vier Neubauten am S-Bahnhof Hackescher Markt und 300 applaudierende Gäste bei einem perfekt organisierten Richtfest – die Bonner Aktiengesellschaft IVG lässt sich durch Immobilienflaute und Finanzkrise nicht vom Kurs abbringen. Viel konnte der Konzern bei diesem Neubau allerdings auch nicht falsch machen: Die Werbeagentur Scholz und Friends wollte hier Büros mieten, die Gasag auch – und der Hotelkonzern Adina eines der Gebäude im Quartier sogar gleich kaufen.

So stehen die Nutzer von 80 Prozent der 36 600 Quadratmeter schon fest. Das finanzielle Restrisiko ist gering. Und das war schon so, bevor die ersten Bagger in Mitte anrollten, sagt der Berlin-Chef der IVG, Christian Köhler. Und er schwärmt bei der Grundsteinlegung von dem Standort: „Mehr Mitte geht nicht!“ sagt er. Da spielt wohl auch Erleichterung mit, denn „20 Jahre lang war hier Wüste“, sagt er. Ganz unbeteiligt war die IVG nicht daran, denn ihr gehört das Grundstück bereits seit Jahren.

"brillant location" in einer "fantastischen Stadt"

Auch der Baustadtrat von Mitte Ephraim Gothe ist zufrieden: „Das Quartier schafft eine neue Wegebeziehung vom Hackeschen Markt zu der Achse Unter den Linden und zum Nikolaiviertel“. Auch das Gründungsmitglied von Scholz und Friends, Thomas Heilmann, der selbst Einfluss auf die Gestaltung des Quartiers nahm, sagt: Zu dessen Stärken zähle „die schräge Gasse, die direkt am S-Bahnhof-Eingang mündet und sich am anderen Ende auf einen Platz öffnet“.

Von diesem Platz aus wird man die Friedrichsbrücke sehen können. Geografisch betrachtet liegen die Neubauten etwa auf einer Linie mit dem Palais am Festungsgraben. Damit sind die Büroflächen abgeschirmt vom Verkehr an der Karl-Liebknecht-Straße und die S-Bahn liegt im Rücken des Platzes – die zweite Reihe ist in diesem Fall erste Klasse.

Aus dem Schwärmen kam jedenfalls auch der australische Chef der Apartment-Hotel-Kette Adina, Andrew Hunter, nicht heraus: Es sei eine „brillant location“, man sei „geehrt“, Teil dieses Projektes in dieser „fantastischen Stadt“ zu sein, wo man „so herzlich empfangen“ worden sei: von der IVG, von Geldgebern, von den Architekten und von den Berlinern.

Wer hier wohnen will, muss 110 Euro Miete pro Nacht zahlen

Durch das Hotel sind „so ungefähr“ 20 Prozent der Flächen mittelbar für Wohnzwecke nutzbar. Die Ziele der Berliner Stadtentwicklung werden damit aber gründlich verfehlt: Es werden Berlin-Besucher hier „wohnen“, die 110 Euro pro Nacht zahlen können. Soziale Mischung ist das nicht. Baustadtrat Gothe sagt: „Ich hätte mir mehr Wohnen vorstellen können.“ Die Baugenehmigung sei aber vor seiner Zeit entstanden. Im Übrigen habe die BVV damals „einer ganzen Menge merkwürdiger Baugenehmigungen in Mitte zugestimmt“, so Gothe.

Die Gasag wird mit ihrer Zentrale in das Quartier einziehen, das in einem Jahr fertig sein soll. Das denkmalgeschützte „Shellhaus“ in Tiergarten, das der Firma „Credit Suisse“ gehört, braucht dann einen neuen Mieter. Im Hackeschen Quartier werden 1000 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz haben. Im Umfeld gibt es zwar schon viele Lokale, dennoch werden im Erdgeschoss des neuen Quartiers Restaurants, Cafés und Einzelhändler einziehen. Es soll schließlich an nichts fehlen.

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