Berlin : Neue Adresse für die Mode: Gründerzentrum in Treptow eröffnet

Susanna Nieder

Mode ist im Berliner Straßenbild nach wie vor kein auffälliger Faktor. Trotzdem wird sie immer wichtiger. Gestern hat die Stadt mit dem Gründerzentrum Kiefholzateliers eine weitere neue Adresse für Mode und Design bekommen. Etwa vier Jahre haben die Hamburger Peter Jorzick und Arne Olofsson von der J. & O. Immobiliengesellschaft mbH gebraucht, um das ehrgeizige Projekt an den Start zu bringen. Gestern wurde es in Anwesenheit des Wirtschaftsenators Wolfgang Branoner (CDU) eröffnet.

"Der Standort dokumentiert den Wandel von der Produktions- zur Informations- und Dienstleistungsgesellschaft", sagte Branoner. In dem 1937 / 38 entstandenen Fabrikgebäude in der Kiefholzstraße 1-4 mit Blick über Landwehrkanal und Teile des Görlitzer Parks wurden früher Maschinen hergestellt. Heute haben auf 7000 Quadratmetern Fläche etwa 30 junge Firmen mit rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ihre Büros und Ateliers. Großer Wert wurde dabei auf Synergieeffekte gelegt: Neben Modedesignern, Hutmacherinnen, einer Schmuckdesignerin und der Schuhfirma trippen, die das gesamte 4. Stockwerk mit einer Fläche von 1300 Quadratmetern belegt, sind Grafik- und Mobeldesigner, Filmproduktionsfirmen, Marketingagenturen, Fotografen und Kommunikationsdesigner eingezogen. Die kleinsten Räume nehmen sich wie Wohnzimmer aus, während etwa das Herrenlabel Coration, das schon seit über vier Jahren in dem Gebäude ansässig ist, 200 Quadratmeter belegt.

Zu ebener Erde befindet sich eine 400 Quadratmeter große Eventhalle, in der Modenschauen und Verkaufsveranstaltungen geplant sind. Von 5. bis 6. Oktober soll hier die IMOTA (internationale Modetage) stattfinden, eine Modeparty über drei Tage, bei der sich neben Berliner "Gästen" wie Frisch, Katia Mossina, NIX Design und Herz + Stöhr Designer aus den Kiefholzateliers, aber auch Labels aus Wien, Brüssel, London sowie Skandinavien präsentieren. Organisator ist der Wiener Mario Soldo, der die IMOTA schon mehrere Male in seiner Heimatstadt präsentiert hat und jetzt unter anderem für die PR der Kiefholzateliers zuständig ist.

Am Gesamtinvestitionsvolumen der Kiefholzateliers von 18 Millionen Mark hat sich der Senat mit 8,8 Millionen Mark beteiligt, "weil schon Mitte der 90er Jahre abzusehen war, dass sich kleinere Unternehmen auf Dauer im immer teureren Bezirk Mitte nicht mehr würden ansiedeln können", sagte Branoner. Damit der etwas abgelegene Standort in Treptow nicht zum Nachteil gerät, plant die J. & O. Immobiliengesellschaft ein "Designerkaufhaus" in der Oranienburger Straße, in dem die Modemacher auf kleinem Raum ihre Kollektionen anbieten können.

Bisher sind die Kiefholzateliers zu 80 Prozent vermietet. Für die restlichen 20 Prozent werden noch Modedesigner gesucht, denn vor lauter Synergieeffekten kommt die Mode bei der Belegung etwas kurz: Von den derzeit 30 Firmen im neuen Modezentrum machen nur sieben tatsächlich Mode.

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