Berlin : Neue Angst im Benjamin Franklin Klinikum

Professoren sehen Status als Universitätsstandort in Gefahr. Kippt der Senat Aufsichtsratsbeschluss und schließt die Vorklinik?

Ingo Bach

Wieder geht am zur Charité gehörenden Benjamin Franklin Klinikum (CBF) in Steglitz die Angst vor der Degradierung zum Kiezkrankenhaus um. Offenbar gibt es im Senat Bestrebungen, eine Entscheidung des Aufsichtsrates vom Februar zu kippen. Damals hatte der Aufsichtsrat die Erhaltung der vorklinischen Ausbildung von Medizinstudenten an zwei Standorten festgeschrieben: in Mitte und am Benjamin Franklin Klinikum. Doch nun wolle der Senat auf der Sitzung des Aufsichtsrates am 31. Mai die Schließung des Vorklinik-Standortes am CBF durchdrücken, fürchten Chefärzte und Hochschullehrer des Klinikums. Sie haben einen offenen Brief unter anderem an den Regierenden Bürgermeister, den zuständigen Wissenschaftssenator Thomas Flierl (Linkspartei/PDS) und Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) verfasst, der am Montag veröffentlicht werden soll.

In dem Schreiben, das dem Tagesspiegel vorliegt, heißt es: Eine Schließung der Vorklinik im Süden Berlins werde das Franklin-Klinikum „entscheidend schwächen und (...) seinen universitären Charakter in Frage“ stellen. Dadurch würde, so die Verfasser, die Charité ein Drittel ihrer rund 760 000 ambulanten und stationären Patienten einbüßen und so ihre ökonomische Basis erheblich beschädigt. „Es kann nicht angehen, dass Gremienentscheidungen so lange nicht anerkannt bzw. wiederholt werden, bis ein ,genehmes’ Ergebnis erzielt wird.“

Man habe von diesen senatsinternen Diskussionen gehört, heißt es beim Charité-Vorstand. Man sehe darin aber keine Gefahr für Steglitz. Der Vorstand halte daran fest, dass alle vier Standorte der Charité ihren universitären Charakter behalten, sagt Unternehmenssprecherin Kerstin Endele – unabhängig von einer eventuellen neuen Entscheidung des Aufsichtsrats zu den Vorkliniken. In den vorklinischen Instituten erlernen die Medizinstudenten die theoretischen Grundlagen ihres Berufs – etwa Anatomie, Biochemie oder Physiologie – bevor sie in die praktische klinische Ausbildung ins Krankenhaus gehen.

Die Senatswissenschaftsverwaltung bestätigt nur, dass man die Entscheidung, die Vorklinik im Süden zu erhalten, finanziell und sachlich noch einmal intensiv prüfe. „Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen“, sagt Brigitte Reich, Referentin von Wissenschaftssenator Flierl.

Ähnliche Befürchtungen um den universitären Status gab es am Franklin-Klinikum schon einmal vor zwei Jahren. Damals gab es Planspiele im Senat, das Klinikum in Steglitz aus der Charité zu lösen und als normales Versorgungskrankenhaus dem landeseigenen Krankenhaus-Konzern Vivantes einzugliedern.

Vor dem Hintergrund dieser internen Debatten um die universitätsmedizinische Zukunft der Charité-Standorte wurde nun auch bekannt, dass die Entscheidung des Klinikum-Vorstands, die bereits erteilte Freigabe der Qualitätsdaten für den Klinikführer von Tagesspiegel und Gesundheitsstadt Berlin wieder zurückzuziehen, intern nicht unumstritten war. Gerade unter den Klinikdirektoren in Steglitz und auch im Vorstand gab es Stimmen, die sich für eine Veröffentlichung der Daten der externen Qualitätssicherung (BQS) ausgesprochen haben. Wie berichtet ist das Klinikum mit seinen drei Standorten der Krankenversorgung der einzige Klinikträger in der Stadt, der die BQS-Daten nicht für einen öffentlichen Leistungsvergleich im Rahmen des Klinikführers zur Verfügung stellte. Die übrigen 44 Berliner Kliniken, die die unter die externe Qualitätssicherung fallenden Leistungen erbringen, beteiligen sich an dem Projekt. Die nächste Folge des Klinikführers zu künstlichen Kniegelenken erscheint am Montag im Tagesspiegel.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar