Neue Anzeige für Berliner Rapper : Bushido und die Kettensäge

In Berlin ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen seines Liedes "Stress ohne Grund" gegen ihn. In Kleinmachnow hat er nun Ärger mit dem örtlichen Förster - weil er einfach so Kiefern auf seinem Grundstück abgesägt hat.

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Das nächste Verfahren: Rapper Bushido muss sich derzeit nicht nur um neue Musik kümmern.
Das nächste Verfahren: Rapper Bushido muss sich derzeit nicht nur um neue Musik kümmern.Foto: imago

Für seine markigen Worte und seine frauen- und schwulenfeindlichen Lieder ist er bekannt. Berichtet wird auch, dass der Berliner Skandal-Rapper Bushido schon des öfteren mal die Fäuste sprechen lassen haben soll. Nun hat Bushido auch noch zur Kettensäge gegriffen – oder besser gesagt: Er hat greifen lassen. Auf seinem Grundstück in Kleinmachnow, auf dem der Rapper eine denkmalgeschützte Villa für sich und seine Familie ausbauen lässt, sollen ein paar Kiefern zu viel gefallen sein. Das hat dazu geführt, das Bushido wegen seiner Lieder, seiner vermeintlichen Prügeleien und möglicher Verbindungen zur organisierten Kriminalität nicht nur Ärger mit der Staatsanwaltschaft hat, sondern auch mit dem örtlichen Förster.

Gegen den Rapper ist eine Ordnungswidrigkeitsanzeige erstattet worden. Das bestätigte Christian Naffin, Sprecher beim Brandenburgischen Landesbetrieb Forst, jetzt gegenüber den Potsdamer Neuesten Nachrichten. Derzeit werden die Anschuldigungen gegen Anis Ferchichi, wie der Rapper mit bürgerlichem Namen heißt, geprüft, sagt Naffin. Weitere Auskünfte wollte er zum laufenden Verfahren nicht geben.

Kaputte Kiefern

In Bushidos neuer Wunschnachbarschaft selbst hat sich die Sache mit den kaputten Kiefern – wohlgemerkt denen aus Holz – schnell herumgesprochen. Sogar so schnell und so weit herumgesprochen, dass eine aufgeregte Kleinmachnower Mutter mit ihrem Zorn über den künftigen Nachbarn am Donnerstagabend vor die versammelte Kleinmachnower Gemeindevertretung trat. „Was ist da bloß los?“, so ihre Frage an das Rathaus und die Politiker.

Na ja, erklärte Kleinmachnows Bauamtsleiterin Barbara Neidel, gegen Bushido sei bereits im September eine Anzeige von der Forstbehörde erstattet worden. Der Waldcharakter seines Grundstückes am Zehlendorfer Damm sei nicht mehr so richtig gegeben. Zumindest bestünden Zweifel, erklärte Neidel weiter. Der Rapper werde nach dem Kettensägenvorfall deshalb nun wohl neue Bäumchen pflanzen müssen.

Indizierte deutsche Lieder
Am Mittwoch, 17. Juli 2013, wurde das neue Lied "Stress ohne Grund" des Berliner Rappers Bushido auf den Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) gesetzt. Das Gremium habe die Musik-CD „NWA“ des Interpreten Shindy mit dem Bushido-Song als gefährdend für Minderjährige eingestuft. Der Text wirke verrohend, reize zu Gewalt an und diskriminiere Frauen sowie Homosexuelle. Mit dieser Reaktion des BPjM dürfte Bushido trotz allem gerechnet haben - immerhin wurden sein erstes und zweites Soloalbum indiziert: "Vom Bordstein bis zur Skyline" (2003) darf seit September 2005 nicht mehr an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft werden, weil es frauenfeindliche und diskriminierende Texte enthält, so das BPjM. Auf dem zweiten Soloalbum "Electro Ghetto" (2004) wurde der Song "Gangbang" indiziert. Klicken Sie sich durch die Bildergalerie und sehen Sie, welche weiteren deutschen Lieder in der Vergangenheit indiziert wurden.Alle Bilder anzeigen
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17.07.2013 22:46Am Mittwoch, 17. Juli 2013, wurde das neue Lied "Stress ohne Grund" des Berliner Rappers Bushido auf den Index der...

Das wollen viele Kleinmachnower kaum glauben. Vor knapp zwei Jahren hat der Rapper das riesige Grundstück mit zwei denkmalgeschützten Villen gekauft. Putz wurde abgeschlagen, Fenster herausgerissen, auch das historische Eingangstor musste fallen – das hatte bereits die Denkmalschutzbehörden auf den Plan gerufen. Sie ließen die Arbeiten kurzerhand stoppen. Das ist inzwischen schon eine Weile her, Bushido darf weiterbauen. Neue Probleme mit der historischen Bausubstanz wurden nicht bekannt, heißt es aus dem zuständigen Landratsamt.

Rapper und Gangster

Nur Bushido selbst sorgt derzeit im nahen Berlin für Schlagzeilen: Die Staatsanwaltschaft ermittelt nicht nur wegen seines Liedes „Stress ohne Grund“ gegen ihn – vorgeworfen wird ihm Volksverhetzung, Gewaltdarstellung und Beleidigung – sondern auch, weil er einen Fan vor seiner Villa in Berlin Lichterfelde verprügelt haben soll. Außerdem war da doch auch noch die mutmaßliche Verbindung zur kurdisch-arabischen Mafia, von der das Magazin „Stern“ berichtete. Bushido soll den vermeintlichen Gangstern eine Vollmacht erteilt haben.

Vielen Kleinmachnowern dürften deshalb sprichwörtlich die Haare zu Berge stehen beim Gedanken, Bushido in ihre Gemeinschaft aufzunehmen. Das hat inzwischen auch die Ortspolitik erkannt: Bürgermeister Michael Grubert (SPD) versprach am Donnerstag, dass die Gemeindeverwaltung weiterhin ein wachsames Auge auf die Bau- und Fälltätigkeiten auf Bushidos Grundstück werfen werde. Das gleiche – ein wachsames Auge zu behalten – empfahl auch der Vorsitzende der Gemeindevertretung Klaus-Jürgen Warnick (Linke) den Kleinmachnowern. „Ich glaube, dass es hier keinen gibt, der das mit Bushido gut findet.“

Auf Bushidos Grundstück gehen die Bauarbeiten an den Villen indes nur schleppend voran. Die Dächer sind ungedeckt, der Putz nicht erneuert. Lediglich neue Fenster schützen das Geisterhaus des Rappers nun vor Wind und Wetter.

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