Berlin : Neue Ausstellung über den Herrn der Jipsköppe

Sie gehören zum Stadtbild, wir laufen an ihnen vorbei und wissen oft nicht einmal, wer die Denkmäler, Skulpturen, Figuren und die „Jipsköppe“, wie der Berliner sagt, geschaffen hat. Das im Jahre 1871 enthüllte Schiller-Denkmal auf dem Gendarmenmarkt ist so ein Beispiel oder der Neptunbrunnen am Roten Rathaus. Ihr Schöpfer Reinhold Begas ist mittlerweile „ein bekannter Unbekannter“, wie ihn Esther Sophia Sünderhauf nennt. Sie ist die Kuratorin der Ausstellung im Pei-Bau des Deutschen Historischen Museums. Bis zum 6. März können mit einer Fülle von Ausstellungsstücken die Kunst und der Lebensweg des Berliner Bildhauers erfahren und nachvollzogen werden.

„Begas – Monumente für das Kaiserreich“ nennt sich die Schau über den Mann, der bei Christian Daniel Rauch und Johann Gottfried Schadow in die Schule ging, mit 33 Jahren eine 15-Jährige heiratete und zum führenden deutschen Bildhauer aufstieg. Er war so etwas wie ein Staatskünstler, vor allem sein gewaltiges Nationaldenkmal gegenüber dem Schloss hat ihn berühmt gemacht, auch Bismarck wurde von Begas quasi am Fließband in Stein gehauen. Seine Kunst stand im Dienst dreier deutscher Kaiser, aber aus der Werkstatt kam nicht nur protziger monarchistischer Realismus, sondern auch feinfühlige Porträtkunst und marmorierte Sinnlichkeit. Die Ausstellung mit 235 Skulpturen, Gemälden, Fotos und Dokumenten zeigt eine Epoche deutscher Kunstgeschichte und den am Ende brutalen Umgang mit Begas’ Marmor, Eisen und Gips. Lo.

„Begas – Monumente für das Kaiserreich“, Deutsches Historisches Museum, Unter den Linden, täglich 10 bis 18 Uhr, Eintritt sechs Euro

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