Berlin : Neue Automaten verärgern Kunden der Bahn

Doppeltes Anstehen beim Fahrkartenkauf Dabei sollte die Wartezeit verkürzt werden

Klaus Kurpjuweit

Die Bahn hatte wieder eine gute Idee. Für Kunden, die im Hauptbahnhof ihre Fahrkarte an einem Automat kaufen wollen oder müssen, sollte sich bei großem Andrang die Wartezeit verkürzen. Ergo lässt die Bahn ihre zahlenden Kunden nun zwei Mal anstehen. In der Praxis verdoppelt sich die Wartezeit nun meist. Das hatten die Bahn-Planer so nicht vorgesehen.

Die Experten hatten nämlich erkannt, dass rund die Hälfte der Nutzer an den Automaten nur eine Auskunft haben, aber keine Fahrkarte kaufen wollte. Deshalb schaffte die Bahn jetzt für die schnelle Auskunft Geräte an, die nur die Fahrverbindung angeben. Wer jedoch auch eine Fahrkarte kaufen will, erhält am Schluss der Eingabeprozedur lediglich einen Beleg, den man dann am nächsten Gerät „lesen“ lassen muss. Erst dann kann man dort bezahlen – zusätzlich zu EC-Cash, Kreditkarte und Lastschrift jetzt auch mit Bargeld.

Die Wartezeit soll sich nach der Logik verkürzen, weil die Kunden, die nur eine Fahrplaninformation haben wollen, nicht mehr warten müssen, bis ein Fahrgast, der ein Ticket will, vor ihnen an diesem Gerät auch bezahlt hat. Und bei den alten Automaten musste man hier oft viel Geduld haben, denn häufig funktionierte die Zahlfunktion nicht auf Anhieb oder war ganz defekt. Reine Kassenautomaten, an denen nur bezahlt wird, sollten hier zuverlässiger sein. So weit die Theorie.

In der Praxis müssen die Kunden aber bei großem Andrang länger warten als vor den alten Geräten, weil sich nun vor beiden Automaten Schlangen bilden. Zudem erkennen Unkundige in der Regel gar nicht, in welcher Reihenfolge sie zu den Automaten gehen müssen.

In den Reisezentren im Hauptbahnhof, die man erst suchen muss, weil sie geschickt zwischen den zahlreichen Läden versteckt sind, steht an der Wand hinter den modernen Automaten: „Informieren – Buchen – Kaufen – Fahren“. Nähere Hinweise gibt es lediglich auf den jeweiligen Bildschirmen der Geräte – wenn man ganz genau hinsieht. Wer den Fahrkarten-Kauf am Kassenautomat beginnt, weil er die kleinen Hinweise auf den Geräten übersehen hat, hat Pech. Hier geht gar nichts, solange man nicht am Gerät mit der „Auswahl von Fahrkarten“ war.

Ganz scheint die Bahn der Sache auch selbst nicht zu trauen. An ihren Automaten hat sie schon seit längerem Mitarbeiter postiert, die helfen sollen, wenn ein Kunde nicht weiterkommt. Probleme hatten viele Fahrgäste nämlich auch schon bei den älteren Geräten. Dumm dabei ist nur, dass die „Guides“, wie die Mitarbeiter bei der Bahn heißen, oft auch nicht besser mit den Geräten umgehen können. Die Fachleute hinter den Schaltern hat die Bahn in großem Stil abgezogen. Deshalb stellte sie die Automaten auf.

Vielleicht war die Idee mit den Doppelautomaten doch nicht so gut. Das soll bei der Bahn ja hin und wieder vorkommen – nicht nur beim verkürzten Dach des Hauptbahnhofs, wo die Bahn die gute Idee hatte, Fahrgäste bei Regen von Mitarbeitern mit Schirm abholen zu lassen, bis sie merkte, dass sich dieser Service nicht verwirklichen ließ. Noch ist der Doppelautomat auch nur ein „Pilotprojekt“. Und einige alte Geräte stehen auch noch da.

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