Neue Berlin-Domains : Senat sichert sich tausende Internetadressen

Die Registrierung der neuen Internetadressen mit der Endung ".berlin" beginnt. Der Senat hat schon mal ein paar Formulare ausgefüllt: mehr als 10 000.

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www.wowereit.berlin. Der Regierende ist nicht der ganz große Internetexperte, der Senat ist aber vorbereitet.
www.wowereit.berlin. Der Regierende ist nicht der ganz große Internetexperte, der Senat ist aber vorbereitet.Foto: imago

So eine attraktive Internetadresse ist schon mal mehrere tausend Euro wert. Für Fotograf.de wurden 90 000 Euro bezahlt. Immer dann, wenn die Internetverwaltung Icann neue Adressen zulässt, ist das Interesse an den einprägsamsten Namen entsprechend groß. Mit der Endung .berlin richtet sich nun die Aufmerksamkeit auf die Hauptstadt.

Am Freitag um elf Uhr beginnt die erste Registrierungsphase für die Adressendung .berlin. Berlin ist die erste deutsche Stadt mit einer „Community-basierten Top Level Domain“. „Die Berlin-Adressen könnten ebenfalls bald einiges wert sein“, sagt Dirk Krischenowski, Geschäftsführer von Dotberlin. Das Unternehmen hatte 2005 begonnen, bei der Icann für die prägnante Städtedomain zu werben. 700 000 Flugmeilen und rund zwei Millionen Euro Investitionskosten später ist das Ziel erreicht. Zuerst können die Inhaber von eingetragenen Marken ihre Berlin-Adressen registrieren lassen. Die allgemeine Registrierung beginnt am 18. März, dann kann jedermann seinen Claim abstecken. Wie wäre es mit goldelse.berlin? Oder ist das eine eingetragene Marke?

Die neuen Internet-Adressen für Berlin werden von der hiesigen Politik und Wirtschaft unterstützt. „Eine Top-Level-Domain mit dem Namen Berlin ist international ein Pilotprojekt für das Stadtmarketing und ein starkes Signal, das zur Marke Berlin passt: innovativ und pfiffig“, sagt Jan Eder, der Hauptgeschäftsführer der Berliner IHK. „Die Berlin-Adressen können zu einem Markenzeichen für unsere Stadt und damit auch für die hier ansässigen Handelsunternehmen und Kaufleute werden“, hofft der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen. „Gerade kleine und mittelständische Firmen können von den neuen Adressen profitieren“, meint Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Andere Städte haben ähnliche Pläne: Die Adressen mit .koeln und .hamburg sind in Vorbereitung.

Die Registrierung der Berlin-Adressen ist an Bedingungen geknüpft. So muss der Domain-Inhaber entweder selbst in Berlin leben oder der technische Ansprechpartner der Domain muss hier seinen Sitz haben. Doch es gibt noch eine dritte Möglichkeit – wenn sich der Registrar, also das Dienstleistungsunternehmen, über das man die Adresse registrieren lässt, in Berlin befindet. Dies trifft mit Strato, Internetworx und http.net auf drei der zugelassenen Registrare zu.

Für die Unternehmen, die für ihre Marken Berlin-Adressen registrieren lassen wollen, gibt es allerdings noch eine wesentliche Hürde. Die Begriffe müssen beim Trademark Clearinghouse (www.trademark-clearinghouse.com) eingetragen sein. Bei der Einrichtung handelt es sich um eine internationale Datenbank für Markenrechte. Die Internetverwaltung Icann besteht auf diesem Verfahren, um Rechtsstreitigkeiten so weit wie möglich vorzubeugen. „Bis die Marke eingetragen ist, vergehen vier bis fünf Tage“, sagt Krischenowski.

Die Adressen kosten pro Jahr 30 bis 60 Euro

Wurde die Marke registriert, erhält man einen Hinweis, falls jemand anderes die Marke nutzen will. Auch der Interessent wird gewarnt, dass er versucht, eine geschützte Marke zu registrieren. Je eingetragene Marke müssen jährlich rund 150 Euro an das Clearinghouse gezahlt werden, die Kosten für jede Internetadresse liegen zwischen 30 und 60 Euro.

Die komplett freie Auswahl bei den Berlin-Adressen wird es allerdings nicht geben. Der Senat sowie die Sponsoren hinter Dotberlin haben das Recht, Adressen vormerken zu lassen. Vor allem der Senat hat davon regen Gebrauch gemacht und mehrere 10 000 Adressen sperren lassen. Dabei handelt es sich unter anderem um die Namen von Straßen und öffentlichen Einrichtungen.

Obwohl die allgemeine Registrierungsphase erst in einem Monat beginnt, sollte man seine Wünsche bei einem der Registrare vormerken lassen. Unter der ersten neuen Berlin-Adresse nic.berlin sind die Dienstleister aufgelistet. „Eine Garantie, dass man seine Wunschadresse auch erhält, gibt es zwar nicht. Frühzeitiges Vormerken erhöht jedoch die Chancen, bei der Vergabe zum Zug zu kommen“, sagt Krischenowski. Kurt Sagatz

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