Berlin : Neue Bescheidenheit

Presseball-Gewinner wollen sich nicht outen

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Alexander Kulpok guckte am Ende ein bisschen bedrippelt. Ist denn wirklich kein Gewinner da, der auf die Bühne kommen will? Eben wurde der Hauptgewinn bei der PresseballTombola gezogen (eine Reise auf die Galapagos-Inseln), doch kein freudiger Juchzer weit und breit. Wie schon bei der Mercedes-A-Klasse. Wie schon beim Perlen-Collier. Wie schon beim Luxus-Wochenende im Adlon. So blieb dem Chef des Berliner Journalistenverbandes, des Ball-Veranstalters, nichts weiter übrig, als auf seine Bürozeiten hinzuweisen. Da könne man ja auch noch die Gewinne einlösen. Ist das etwa ein neuer Trend, nicht mit den pompösen Gewinnen zu protzen? Oder trauen sie die Sieger nicht, weil sie nachher noch zur Spende gebeten werden?

Immerhin: Der Gewinner der Galapagos-Reise und ein anderer meldeten sich nach der Tombola. Er möchte aber anonym bleiben, wie die Veranstalter beim Katerfrühstück am Sonntag im Adlon erzählten. „Die wollen eben nicht, dass das öffentlich bekannt ist, und das muss man auch so akzeptieren.“ Einen Trend zur Bescheidenheit wollen die Veranstalter dabei nicht erkennen. Im letzten Jahr seien alle Gewinner der großen Preise begeistert auf die Bühne gestürmt. Warum die Verlosung in diesem Jahr zurückhaltender ausfiel, dafür haben sie keine Erklärung. „Wir wissen ja auch gar nicht, ob diese Gewinne überhaupt gezogen worden sind“, sagt eine Mitarbeiterin. Es könne auch immer noch sein, dass die Glückspilze sich am Montag im Büro des Journalistenverbandes melden. „Sie müssen bis Mittwoch bei uns anrufen.“ Die Glückstelefonnummer ist die 88 91 300. Übrigens: Die Mercedes- A-Klasse hat einen Wert von 22 000 Euro, eine Kreuzfahrt 18 000 Euro und das Collier 2300 Euro.

Vielleicht waren die Gewinner auch einfach schusselig. „Viele waren gar nicht mehr bei der Ziehung dabei, haben am Ballabend noch gar nichts mitbekommen von ihrem Glück“, hieß es bei den Veranstaltern. So wie Bubi Scholz beim Presseball 1972. Seine Frau meldete sich einen Tag später und erzählte, sie habe das Los „beim Ausbürsten des ehemännlichen Smokings“ gefunden. Mit dem Zettelchen gewann er immerhin einen Mercedes Typ 350 SL im Wert von 36 170 Mark.

Sollten die Preise in der kommenden Woche nicht abgeholt werden, „versteigern wir sie oder lassen uns mit Medienpartnern eine Sonderaktion einfallen“, sagt der Verbandsvorsitzende Alexander Kulpok. Schließlich komme es auf den Erlös an. Und mit dem sollen Unicef-Projekte und die Berliner Journalistenschule gefördert werden.tabu

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