Berlin : Neue Bezirkswappen: Naturalismus unerwünscht

Rainer W. During

Eigentlich wollte der Senat allen Fusionsbezirken im Sommer auf einer Feierstunde die neuen Wappen verleihen. Doch in manchen Rathäusern tut man sich schwer bei der Motivsuche. Erst drei der neun zum Jahresanfang gebildeten Großbezirke haben bisher Anträge bei der Innenverwaltung eingereicht, zwei weitere zumindest Entwürfe vorgestellt. In den Bezirken, die mit all ihren Teilen im Osten liegen, hat man es dagegen mit der optischen Identität nicht so eilig.

Eigentlich sollten alle Vorschläge bis Ende dieses Monats vorliegen und gemeinsam verabschiedet werden. Jetzt werden die Anträge "sukzessive abgearbeitet", so Detlef Kaulitz von der Innenverwaltung. Der Senat lässt die Entwürfe von Experten begutachten und erteilt gegebenenfalls Auflagen zur Nachbesserung. Geprüft wird, ob die Entwürfe heraldisch richtig und historisch zutreffend sind, sagt Dr. Regina Rousary vom Landesarchiv. So dürfen beispielsweise nur bestimmte Farben sowie die in der Regel weiß und gelb dargestellten Metalle Gold und Silber benutzt werden. Perspektivische und naturalistische Darstellungen sind unerwünscht. Kontrolliert wird auch, ob die gewählte Symbolik ausreichend erklärt ist.

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Zu den ersten Bezirken, die sich auf ein neues Motiv einigten, gehörte Charlottenburg-Wilmersdorf. Bereits Ende vergangenen Jahres haben es die damals noch doppelten Bezirksämter und Bezirksverordnetenversammlungen in gemeinsamen Sitzungen beschlossen. Das blaue Burgtor Charlottenburgs ist etwas geschrumpft, darüber befinden sich jetzt die drei blau-silbernen Lilien aus dem Wilmersdorfer Wappen.

Templer und Hirsche

Ähnlich fix war Tempelhof-Schöneberg. Hier entschieden sich die Verantwortlichen für eine senkrechte Teilung. Die linke Hälfte zeigt das rote Kreuz des Ritterordens der Templer. In der rechten Hälfte ist einer der beiden roten Hirsche Schönebergs erhalten geblieben. Dritter im Bunde der schnellen Bezirke ist Steglitz-Zehlendorf, wo man sich ebenfalls im Dezember in Abstimmung mit den Heimatvereinen für ein dreigeteiltes Motiv entschied. Links oben die grüne Zehlendorfer Kiefer auf rotem Dreiberg, rechts daneben der Steglitzer Reichsadler. Darunter befindet sich einer der Stege aus dem Familienwappen der Familie Stegelitz über dem silbernen Wellenschlag Zehlendorfs.

Einen echten Volksentscheid hat man in Friedrichshain-Kreuzberg herbeigeführt, wo in einem Schülerwettbewerb über 170 Entwürfe entstanden. Bei einer Ausstellung konnten die Bürger abstimmen und kürten das Motiv der Friedrichshainerin Nancy Hörnke zum Sieger. Er vereint den silbernen Stralauer Karpfen und die Oberbaumbrücke aus dem Wappen Friedrichshains mit dem dahinter aufsteigenden, halb gemauerten Kreuzberger Tatzenkreuz. Der Entwurf wird nun von Heraldikern überarbeitet und soll dann nach Beschlüssen von Bezirksamt und BVV beim Senat eingereicht werden.

Auch der kürzlich vom Bezirk Mitte (mit Tiergarten und Wedding) vorgestellte Entwurf des Grafikers Theodor Lorenz ist noch nicht bei der Innenbehörde eingegangen. Hier wurde nicht versucht, die drei bisherigen Bezirkswappen zu kombinieren. Die Mitte bildet ein Bär, der ein Schild mit einem Zepter trägt, womit auch das Regierungsviertel symbolisiert werden soll. Darum befinden sich drei weiße und drei rote Elemente in Anlehnung an die drei Fusionsbezirke und die Arbeiterbewegung.

In Marzahn-Hellersdorf will das Bezirksamt in der kommenden Woche zunächst "über die Bildung einer Wappenkommission und das weitere Verfahren zur Findung eines Bezirkswappens" beschließen, so Sprecherin Bärbel Felber. Das bisherige Marzahner Wappen zeigt - getrennt durch ein silbernes M - ein Zahnrad auf rotem Grund für die Industralisierung und fünf goldene Ähren auf grünem Grund als Symbol für die ursprünglich fünf ländlichen Ortsteile. Während es 1992 vom Senat bestätigt wurde, hatte das 1986 abgetrennte Hellersdorf als einziger Bezirk nach der Vereinigung kein Wappen beantragt. Das alte DDR-Motiv zeigte über drei Hochhäusern den Berliner Bären sowie einen Blumenstrauß als Symbol für die LPG Pflanzenproduktion.

Das Wappen von Pankow-Prenzlauer Berg-Weißensee ist in Arbeit, erfuhren die Bezirksverordneten auf ihrer jüngsten Sitzung. Doch sei in den nächsten Wochen noch nicht mit einem Entwurf zu rechnen, hieß es da. Ähnlich verhält es sich in Treptow-Köpenick. "Wir sind im Moment mit unseren Doppelwappen noch zufrieden", sagt der Bezirksamt-Sprecher Hans-Rainer Harder. Mit der Suche nach einem neuen Motiv habe man es "keineswegs eilig". Carmen Weber vom Bezirksamt Lichtenberg-Hohenschönhausen sagt: "Uns geht es erst einmal um die endgültige Namensregelung, über die Wappenfrage wird der Kulturausschuss später entscheiden".

Der Innenverwaltung liegen indessen die Gutachten für die bisher eingegangenen drei Anträge vor. Ob Bedenken gegen die Vorschläge bestehen und wenn ja, welche das sind, will Detlef Kaulitz nicht verraten. Zunächst sollen die betroffenen Bezirke informiert werden.

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