• Neue CDU-Bundeszentrale: Für das "Schlachtschiff im Bassin" wurde gestern der Schlüssel übergeben

Berlin : Neue CDU-Bundeszentrale: Für das "Schlachtschiff im Bassin" wurde gestern der Schlüssel übergeben

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"Aufbruch", "Zukunft" und "Transparenz" - diese Wort fielen immer wieder, als gestern der Schlüssel für die Bundeszentrale der CDU übergeben wurde. Das Haus mit der gläsernen Doppelfassade soll die neue CDU symbolisieren. Ein "mutiges und selbstbewusstes Projekt" sei es, sagte Parteichefin Angela Merkel, dessen Offenheit Programm sei und wohin man Menschen einladen wolle, auch Unbequemes zu sagen.

Der Bauunternehmer Klaus Groth hat das Haus auf dem Klingelhöfer-Dreieck nach einem Entwurf der Düsseldorfer Architekten Petzinka und Pink errichtet, die übrigens auch die Staatskanzlei der Nordrhein-Westfälischen Landesregierung entwarfen. Groth erinnerte gestern an die "sehr beeindruckenden" Gespräche mit dem damaligen CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzler Helmut Kohl, in dessen Ägide der Bau beschlossen wurde. Kohl, der wie Wolfgang Schäuble eingeladen war, war zur Schlüsselübergabe nicht erschienen. Dafür sah man viele aus Berlin bekannte Gesichter: Klaus Landowksy, Ingo Schmitt, Ulf Fink, Peter Radunski, Peter Kittelmann und Axel Nawrocki. Von der Bundes-CDU waren Ex-Generalsekretär Peter Hintze und sein Nachfolger Ruprecht Polenz gekommen. Einziger Sozialdemokrat war Tiergartens Baustadtrat Horst Porath.

Mit dem Einzug der großen Volksparteien in ihre Häuser sei der Umzug praktisch abgeschlossen, sagte der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen - auch wenn das eine oder andere Ministerium noch fehle. Diepgen kreierte für das neue Haus den Spitznamen "Schlachtschiff im Bassin". Merkel sah in dem Bau mit dem dreieckigen Grundriss eher ein "Schiff, das fest gebaut auf hoher See standhält". Die Parteivorsitzende, die an die "schwierige Zeit" für die CDU während der Bauphase erinnerte, bekam vom Bauherrn zum Einzug ein Fernrohr geschenkt. "Das werden wir auf der Terrasse aufstellen, dann kann jeder mal einen Blick auf das neue Kanzleramt werfen", sagte sie ("Da braucht sie nicht am Zaun zu rütteln", hieß es leise im Publikum). Es wird noch eine weitere Erinnerung an Bonn in dem Gebäude - das Konrad-Adenauer-Haus heißen soll - geben: Merkel will einen Rosenstock aus Adenauers Garten im Hof der neuen Bundeszentrale anpflanzen.

Im Vorfeld des Umzugs gab es bei der CDU Überlegungen, das 65-Millionen-Mark-Gebäude angesichts der gebeutelten Parteifinanzen weiter zu veräußern. Gestern jedoch betonte Merkel, dass man Wort gehalten habe und einziehen werde. Die CDU kommt aber nun mit nur 100 Mitarbeitern, es wird mindestens eine Etage untervermietet.

Das Haus hat sechs Stockwerke, die Büros gruppieren sich um einen Wintergarten. Die zweite Glashaut um die eigentliche Fassade soll Energie sparen helfen, außerdem sind auf dem Dach 130 Solarmodule installiert. Merkels Büro ist ganz oben in der Spitze des Hauses, nach drei Seiten verglast und mit Blick zum Landwehrkanal. Groth, der sich als "mittelständischer Bauherr" bezeichnete, baut auf dem Klingelhöfer-Dreieck auch Luxuswohnungen, Botschaften und Bürohäuser für Verbände und Banken.

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