Berlin : Neue Charlottenburger Moden

Im Haus Cumberland eröffnen die Läden – Bread-&-Butter-Chef Müller fühlt sich wohl am Ku’damm.

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Einpacken. Das Jeans-Geschäft „14 oz.“ ist mit 600 Quadratmetern der größte Laden im Haus Cumberland. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Einpacken. Das Jeans-Geschäft „14 oz.“ ist mit 600 Quadratmetern der größte Laden im Haus Cumberland. Foto: Doris...Foto: Georg Moritz

Jeans. Jeans. Jeans. Wenn Karl-Heinz Müller seine Hände im Spiel hat, dominiert die Farbe Blau. Der Chef der Modemesse „Bread & Butter“ und Erfinder des „Tempel of Denim“ hat eine kultige Beziehung zum Beinkleid amerikanischer Herkunft: Klassische Jeans bestehen oft aus Denim mit einem Gewicht von 14 oz. (Unzen) Stoff pro knappem Quadratmeter. So entstand der Name seines Ladens in Mitte. Nun gibt es eine neue Pilgerstätte für Jeansfans. Im Haus Cumberland am Ku’damm hat kürzlich ein kunstvoll gestalteter „14 oz.“ eröffnet. Der 600 Quadratmeter große Laden bildet das Zentrum des Hauses, in dem bald auch Luxuswohnungen bezogen werden können. Passend zum Wintereinbruch ist der Gehweg vor dem Gebäude beheizt.

Liebhaber des edlen Lässig-Chics erkennen Müllers neuen Laden schnell, wenn sie über den Kurfürstendamm fahren. Gleich neben der legendären Currywurstbude Nummer 195 steht das Haus Cumberland mit der Nummer 193/194. Das große Portal leuchtet schon mal dramatisch in Orangerot. Drumherum liegt hufeisenförmig Müllers neues Wohnzimmer. Vintage Chic pur, mit amerikanischen und französischen Anmutungen. Die Lager unter den hohen Decken erinnern ein bisschen an die Balkons im alten New Orleans. Tatsächlich sind große Teile der Einrichtung gebaut aus der ehemaligen Archivbibliothek des Palais Liechtenstein in Wien. Kurz nach der Eröffnung sitzt Müller auf einem der großen Ledersofas und plaudert mit Amerikanern. Für ihn ist der neue Flaggschiffladen auch eine Art Treffpunkt, seine jungen Angestellten betrachten die Kunden als Gäste, die gut betreut werden sollen.

Müllers alter Freund und Raumdesigner, Luis Mock, ein Sammler schöner Dinge, hat seine Schatzkammern geräumt für dieses Gesamtkunstwerk. Mit Begeisterung erzählt Müller vom Einsatz eines betagten französischen Antiquitätenhändlers und eines litauischen Malers für die Gestaltung seines Ladens. Auf zwei weiteren Etagen, die er im Haus Cumberland gemietet hat, will Müller im Februar die Zentrale seiner „Bread & Butter“ einrichten.

Aber stört ihn, der den lässigen Mitte-Chic gewohnt ist, nicht die Umgebung am Ku’damm – all die Couture-Geschäfte von Gucci und Chanel bis Hermès? Am Anfang habe er Bedenken gehabt, gesteht Müller, aber die hätten sich schnell gelegt. Im Gegenteil: Frauen die abends in Designerroben auftreten, bräuchten schließlich auch tagsüber etwas zum Anziehen. Wer Billigware sucht, ist hier sowieso ganz fehl am Platz. Zwar bekommt man im „14 oz.“ auch Designer-Stücke für rund 100 Euro, aber bei manchen sehr exklusiven Labels steigen die Preise schon mal bis auf 3000 Euro.

Die Mieter des Hauses sollten sich das leisten können: Die 166 Wohnungen und 17 Penthäuser sind alle verkauft und sollen spätestens Mitte 2013 bezugsfertig werden. Der Durchschnitts-Quadratmeterpreis liegt bei 4800 Euro, in den Penthäusern sogar um die 7500 Euro.

Auch der Rest des Hauses passt zum gehobenen Publikum. Gleich nebenan eröffnet Borchardt-Chef Roland Mary am Nikolaustag eine Patisserie, und daran angeschlossen ein Kaffeehaus mit Bar und Restaurant. Dort können sich Country-&- Western-Fans mit urbanem Publikum mischen, „Grosz“ heißt die Kombination aus Kaffeehaus und Restaurant im Stil der großen alten europäischen Kaffeehäuser – mit Terrasse zum Innenhof.

Ab 8 Uhr morgens kann man sich in der Patisserie „Lòuis“ mit süßen Delikatessen eindecken, die man sonst vorzugsweise in Paris findet: Tartes und Petits Fours, Baguettes und Croissants. Zu den Spezialitäten dieser französischen Konditorei werden zehn verschiedene Windbeutel gehören, die man auch in Schachteln verpackt als süße Geschenke abtransportieren kann.

Mehr Mode gibt es im Cumberland auch noch bei Brunello Cucinello. Die Kombination von Jeans und Cashmere ist für einen eleganten Einkaufsbummel sowieso fast unverzichtbar. Und als Marc Gläser, der Managing Director von Maurice Lacroix S.A., am vergangenen Donnerstag zur Eröffnung der ersten Boutique der Luxusmarke in Deutschland einlud, begann die Zeremonie mit einem Champagner-Empfang im großzügigen Ambiente des benachbarten 14 oz. und endete dort mit einer großen Party.

Müller als Gastgeber, das ist die Rolle, die er mag. Die ersten Kunden stöbern in den Regalen. Da liegt ein blaues Minikleid des japanischen Kultlabels 45rpm, 1000 Euro. Oder ist es eine Bluse? Die Verkäuferin rät davon ab, das Teil als Kleid zu tragen. Leggings würde sie zur Not zulassen: „Dazu würde eine enge Röhre gut passen“, sagt sie. Die Frau verschwindet in einer der stählernen Umkleidekabinen. „Dort fällt bei den Frauen die Kaufentscheidung“, sagt der Chef, deswegen hat er in den Umkleideräumen für ein besonderes Flair gesorgt. Die alten Postkabinen aus den Zwanzigerjahren sind mit 160 Jahre alten Lüstern aus englischen Schlössern ausgestattet.

Ihre Arbeiterhosenvergangenheit hat die Jeans definitiv weit hinter sich gelassen. Der Vintage-Ledergürtel mit Kimonomuster soll 259 Euro kosten. Es gibt aber auch preiswertere Artikel, rostrote Samtjeans zum Beispiel oder schottische Schals. Dazu klobige angesagte Schuhe. T-Shirts lagern auf Tischen, die in den 20er Jahren von der Universität Lüttich genutzt wurden.

Karl-Heinz Müller ist jetzt richtig glücklich im alten Westen, denn er ist ganz sicher: „Hier entsteht ein neues urbanes Kleinod.“

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