Berlin : Neue Duldung für Kinder aus Bosnien

Ausweisung aufgeschoben – nicht aufgehoben

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Für Dusko, Angelina, Milan und Dajana Vasic gibt es eine kleine Hoffnung. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) will den vier Jugendlichen aus einer bosnischen Familie eine neue Duldung geben – allerdings nur vorübergehend. Die Ausländerbehörde wollte die Kinder am morgigen Donnerstag in ein Kinderheim nach Sarajewo abschieben, obwohl drei von ihnen in Deutschland geboren wurden und alle vier hier zur Schule gehen und gut integriert sind.

Der Großvater der Kinder und ein Lehrer hatten sich vergangene Woche an den Petitionsausschuss des Abgeordnetenhauses gewandt, um gegen die Ausweisung zu intervenieren. Auch die Härtefallkommission des Landes Berlin will sich mit der drohenden Abschiebung der Vasic-Kinder beschäftigen. Solange sich der Ausschuss und die Kommission mit dem Fall beschäftigen, wird die Abschiebung ausgesetzt, sagte die Sprecherin des Innensenators.

Dusko, Angelina, Milan und Dajana Vasic leben bei ihrem Großvater in Neukölln. Er hat eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung und das offizielle Sorgerecht für die Kinder. Die Eltern der vier waren 1991 illegal nach Deutschland gekommen, ihr Asylantrag wurde abgelehnt. Die Mutter wurde vergangenes Jahr nach Sarajewo abgeschoben, den Kindern erteilte die Ausländerbehörde eine Duldung bis zum Ende des nun abgelaufenen Schuljahres. In Sarajewo müssten die Vasic-Kinder in einem Kinderheim leben, würden sie abgeschoben. Der Kontakt zur Mutter ist vor einem Jahr abgebrochen, sagt der Großvater, man wisse nicht, wo sie sich aufhält. Der Aufenthaltsort des Vaters ist ebenfalls unbekannt.

Die Lehrer der Kinder sind voll des Lobes: Sie seien fleißig, gut integriert und machten keine Probleme. Der Großvater engagiere sich vorbildlich. Lehrer haben nicht nur an den Petitionsausschuss, sondern auch direkt an Innensenator Körting geschrieben, um gegen die Abschiebung zu protestieren. Auch die Grünen im Abgeordnetenhaus kritisierten die Entscheidung der Ausländerbehörde, die Kinder nach Sarajewo auszufliegen. „Es ist völlig unverständlich, warum das Land Berlin gut integrierte Menschen abschieben will“, sagte Volker Ratzmann, der Fraktionsvorsitzende und rechtspolitische Sprecher der Grünen. Auch volkswirtschaftlich gesehen, sei die Abschiebung unsinnig. Schließlich habe man schon viel Geld in die Ausbildung der Kinder investiert. „Berlin könnte mutiger sein und Körting fantasievoller“, sagt Ratzmann. Schließlich wolle Berlin Modellstadt für Integration sein. clk

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