Neue Fälle : Schweinegrippe breitet sich weiter aus

In der Region Berlin gibt es vier neue Fälle von Infektionen mit H1N1. Betroffen sind auch zwei Besucher aus Mexiko. Die Senatsverwaltung rechnet mit einem sprunghafter Anstieg der Fälle im Herbst.

Udo Badelt

In der Region Berlin waren am Dienstag 21 Personen mit dem Schweinegrippe-Erreger H1N1 infiziert. Die Zahl ist damit gegenüber Montag um vier gestiegen. Unter den Neuinfizierten sind zwei mexikanische Brüder im Alter von 21 und 24 Jahren, die aus Spanien kamen, wo sie sich angesteckt haben. Die beiden müssen jetzt eine Woche in Quarantäne bleiben. Der dritte neue Fall stammt aus Steglitz-Zehlendorf.

„Das Virus ist leicht übertragbar. Wir rechnen damit, dass die Fälle im Herbst, wenn es nicht mehr so warm ist, weiter und womöglich auch sprunghaft zunehmen werden“, sagte die Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit, Regina Kneiding. „Und dann wird man auch nicht mehr jeden einzelnen Fall so exakt nachweisen können.“ Auch Mutationen des Virus seien dann denkbar.

Am Köpenicker Alexander-von-Humboldt-Gymnasium, wo am Wochenende vermehrt Fälle von Schweingrippe diagnostiziert wurden, hat sich die Zahl der erkrankten Schüler am Dienstag um einen weiteren Fall erhöht und liegt jetzt bei 13, darunter eine 13-jährige Schülerin aus Hoppegarten, direkt hinter der Berliner Stadtgrenze. Das Landeslabor Berlin-Brandenburg hat bis Dienstagabend insgesamt 190 Personen – Schüler des Gymnasiums und enge Freunde und Angehörige – getestet.

Erst kommenden Montag wird wieder Unterricht stattfinden. Das Lehrerkollegium ist nach Auskunft der Schule normal im Dienst und erledigt andere anfallende Arbeiten. Die infizierten Schüler, darunter drei Austauschschüler aus den USA, sind bei ihren Familien in Quarantäne. Auch die Eltern unter Quarantäne zu stellen, so die Gesundheitsverwaltung, sei nicht verhältnismäßig. Wenn die Eltern die Hygieneregeln streng einhalten, Abstand halten und Geschirr und Kleidung heiß waschen, bestehe keine Ansteckungsgefahr. Trotzdem würden die Eltern zur Vorbeugung mit dem Grippemittel Tamiflu behandelt, auch wenn dieses erhebliche Nebenwirkungen hervorruft. Denn Tamiflu tötet die Viren ab und trägt so dazu bei, die Ausbreitung von H1N1 einzudämmen.

In die Rettungsstelle der DRK-Kliniken Köpenick kam am Dienstag nur eine Person, um sich testen zu lassen. Sonntag und Montag hatten jeweils rund 80 Schüler und Angehörige die Rettungsstelle gestürmt, nachdem die Leitung des Humboldt-Gymnasiums ihnen gesagt hatte, dass man sich dort testen lassen könne. Die Rettungsstelle sah sich gezwungen, Schilder aufzustellen mit dem Hinweis, dass nur Personen mit Symptomen wie Fieber und Husten getestet würden. Angeblich hätten Lehrer daraufhin ihren Schülern geraten, Gliederschmerzen zu simulieren. Aufgebrachten Schülern hätte man Mundschutzmasken angeboten, die diese aber achtlos liegen gelassen hätten. Bei der anderen Köpenicker Klinik Hedwigshöhe war es ruhiger, dorthin sind am Montag vier Personen mit Symptomen gekommen, am Dienstag eine. Positiv getestet wurde niemand.

Die Gesundheitsverwaltung betont, dass Patienten, die Symptome hätten, zum Hausarzt und nicht zu den Rettungsstellen zum Test gehen sollen. Nach Auskunft der Kassenärztlichen Vereinigung und verschiedener Berliner Ärzte hat es aber am Dienstag keine größere Nachfrage nach Tests gegeben. Udo Badelt

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