Berlin : Neue Ferientermine: Für Schüler wird der Winter kürzer

Annette Kögel

Die Fusion zwischen Berlin und Brandenburg ist vollzogen - zumindest bei der Neuregelung der künftigen Ferientermine beider Bundesländer. "Familien, die beispielsweise in Reinickendorf wohnen und deren Kinder sowohl ein Gymnasium in Berlin besuchen als auch eine Grundschule im Umland, können ihren Urlaub jetzt besser planen", sagt Elisabeth Willkomm. Die Vorsitzende des Landesschulbeirats in Berlin beriet die Senatsverwaltung beim Erstellen der Ferientermine für die nächsten sechs Jahre gemeinsam mit anderen Elternvertretern aus Brandenburg. "Die Zusammenarbeit hat wirklich gut geklappt", sagt Frau Willkomm. Einige Neuerungen in Kürze: Die Winterferien schrumpfen von zwei auf eine Woche, stattdessen können Schüler, Eltern und Lehrer aus Berlin und Brandenburg künftig während längerer, zweiwöchiger Weihnachts- sowie Herbstferien entspannen.

Eltern von Schulkindern in Berlin und Brandenburg werden die Koffer für den Sommerurlaub in Zukunft früher packen. Die großen Ferien beginnen künftig oft schon Ende Juni oder Anfang Juli und gehen bis Mitte / Ende August. "Dass Berlin so früh dran ist, hat die Kultusministerkonferenz festgelegt. So soll der Reiseverkehr der einzelnen Bundesländer entzerrt werden", erklärt Felgner. Neu ist ebenfalls, dass die Herbstferien sich an den Tag der Einheit, 3. Oktober, anschließen. "Wenn dieser Tag in der Woche lag, gab es davor und danach auffällig viele Fehlzeiten bei Lehrern und Schülern", erinnert sich die Vorsitzende des Landesschulbeirats, Elisabeth Willkomm. Nunmehr liegt der Einheitstag innerhalb der zweiwöchigen Herbstferien, er wird aber natürlich zu den 75 Ferientagen addiert.

In den vergangenen Jahren lagen die oft einwöchigen Herbstferien meist sehr spät im Oktober, aber jetzt "können auch die Brandenburger ganze zwei Wochen verreisen, wenn es noch herbstlich schön ist", sagt die Vorsitzende des Landesschulbeirat - in diesem beratenden Gremium sitzen unter anderem Landesvertreter der Berliner Lehrer und der Schülerschaft.

Auch bei der Bildungsgewerkschaft GEW ist die neue Planung ohne lautstarke öffentliche Kritik aufgenommen worden. "Entgegen der landläufigen Meinung, Lehrer hätten nichts anderes zu tun als sich sofort auf die Ferienpläne zu stürzen", habe es bislang kaum Reaktionen aus der Lehrerschaft gegeben, sagt Ulrich Thöne, Vorsitzender der Bildungsgewerkschaftsvorsitzender. Seiner Auskunft nach haben sich Pädagogen in beiden Stadtteilen an die jeweiligen Ferienregelungen gewöhnt - und werden sich nun auch auf die neuen einstellen.

"Die Ferientermine bis 2008 auf einen Blick" - steht über den detaillierten Daten aus dem Hause Schulverwaltung mit den schulischen Arbeits- und Ruhephasen der nächsten Jahre im Zeitraffer. Schon bislang habe man sich bemüht, die Termine mit Brandenburg zu koordinieren, sagt der zuständige Sprecher der Schulverwaltung, Moritz Felgner, doch nun seien die Ferien bis auf den Tag identisch. Abweichungen gebe es lediglich, wenn Schulturnhallen anlässlich gesellschaftlicher Ereignisse als Unterkünfte benötigt werden, dann wurden die Ferien dementsprechend gelegt. Wie im Jahr 2003, wenn Berlin Gastgeber des Ökumenischen Kirchentages ist - oder 2005, wenn zu Pfingsten unzählige Jugendliche zum Deutschen Turn- und Sportfestes nach Berlin kommen. Die Planer mussten zwischen den Jahren 2002 und 2008 insgesamt je 75 unterrichtsfreie Tage übers Jahr verteilen. In Brandenburg konnten die Schulen zuletzt drei Ferientage selbst flexibel legen, im neuen Ferienkalender sind jedoch zumeist zwei dieser Tage bereits fest integriert.

Ganz anders schlugen die Wogen indes Anfang der 90er Jahre hoch, als die in der DDR üblichen, mehrwöchigen Schnee-Ferien nach der Wiedervereinigung für ganz Berlin übernommen wurden. Bereits vor 1989 hatte es Vorstöße für eine Unterbrechung des Unterrichts zwischen den Weihnachts- und den Osterferien gegeben - solche Skiferien hatte damals die FDP gefordert und bei der damaligen CDU-Schulsenatorin Hanna-Renate Laurien offene Ohren gefunden. Schließlich hatte Schulsenator Jürgen Klemann (CDU) 1992 eine Diskussions-Lawine losgetreten. Nach einer Umfrage der Senatschulverwaltung, an der sich im Folgejahr 260 000 Berliner beteiligten - und sich zu rund 65 Prozent für Winterferien aussprachen - wurden die Skiferien schließlich ab 1993 zum Berliner Ferienalltag.

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