Berlin : Neue Fußbälle von Onkel Gerd

Der Kanzler besucht die Steglitzer Nachwuchskicker und hilft Freund Benneter im Wahlkampf

Sabine Beikler

Der Kanzler mag Berlin. Nicht nur, dass er von der Hauptstadt aus große Politik macht. Nein, Gerhard Schröder findet es vor allem in Wahlkampfzeiten so richtig dufte, direkten Kontakt mit den Berlinern aufzunehmen. Und weil das so ist, konnte sich auch Bernd Fiedler, Erster Vorsitzender des Steglitzer Fußball-Clubs Stern 1900 freuen, dass der Kanzler am Freitagnachmittag als Ehrengast beim D-Junioren-Fussball-Turnier vorbeischaute. Ob aber „Acker“, wie Schröder in seiner aktiven Fußballvergangenheit von den Mitspielern genannt wurde, auch auf die Torwand schießen wird? Das, sagt Fiedler, werde der Kanzler wohl nach Laune selbst entscheiden.

Klaus Uwe Benneter, SPD-Generalsekretär und Direktkandidat im Berliner Südwesten, ist schon eine Stunde vor seinem alten Freund da. Ist er auch so fußballbegeistert wie der Kanzler? Nun, er habe immer „Linksaußen“ gespielt. „Aber ohne Ball war ich immer schneller“, lacht er. Und wie schätzt er seine Chancen ein, seinen Wahlkreis wie 2002 wieder zu gewinnen? Tja, meint er, sein Wahlkreis sei „einer der schwierigsten in Berlin“. Etwas mehr Optimismus könnte ein Generalsekretär schon zeigen.

Und dann kommt Schröder. Kaum hat sich der Kanzler auf die Tribüne gesetzt, wollen die Steppkes Autogrammkarten. Benneter-Karten gehen schlecht, Schröder-Konterfeis sind der Renner. Dann gehts ab zur Torwand: sieben Schüsse. Sieben mal daneben. Schröder gibt den Ball an die Nachwuchskicker ab. Schnell noch die Siegerehrung. Der Gewinner, die Jungs vom SSC Südwest, erhält einen SPD-Cup, und alle Mannschaften bekommen neue Bälle. „Ist immer besser, wenn ein Onkel kommt, der was mitbringt als eine Tante, die Klavier spielt“, sagt Schröder. Die Zuschauer lachen. Nach einer guten Stunde ist sein Auftritt beendet.

Der Kanzler half Benneter schon 2002 im Wahlkampf. Damals besuchte er mit ihm die Kleingartenkolonie „Abendruh“ und überzeugte mit seinem „grünen Händchen“. Ob er beim Fußball auch überzeugen konnte? „Der Wahlkampf ist hart“, sagt Zuschauerin Ingrid Pipenhagen, „wenn er schon bei kleineren Vereinen auftauchen muss.“ Und weiter gehts mit Wahlkampf: Benneter protestiert am Sonnabend in Wunsiedel gegen den alljährlichen Neonazi-Aufmarsch am Grab von Rudolf Heß. Gerhard Schröder trifft in Köln den Papst.

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