Berlin : Neue Hoffnung für die Nalepastraße

Heute soll der denkmalgeschützte Teil des DDR-Rundfunkgeländes versteigert werden Der Auktionator spricht von mehreren soliden Interessenten – und macht den Mietern Mut

Stefan Jacobs

Wenn ein Juwel unter den Hammer kommt, kann viel kaputtgehen. Aber in diesem Fall kann der Hammer auch die Rettung sein: Heute soll der denkmalgeschützte, an viele kleine Unternehmen vermietete Teil des früheren DDR-Rundfunkgeländes einschließlich der für ihre Akustik weltberühmten Studios versteigert werden. Im „Meistersaal“ am Potsdamer Platz wird Auktionator Mark Karhausen das Objekt an der Nalepastraße am Spreeufer in Oberschöneweide zum Mindestgebot von 300 000 Euro aufrufen. Den Mietern hat er auf einer Versammlung vor zwei Wochen versprochen, dass er auch auf den Sanierungsbedarf in zweistelliger Millionenhöhe aufmerksam machen werde. Damit nicht wieder ein windiger Spekulant zugreift wie beim letzten Mal, als die öffentliche Verwaltung in einer allseits kritisierten Hauruck-Aktion das Gelände verscherbelt hat.

Es werde „weit über eine Million gehen“, sagt Karhausen, der schon Erich Honeckers Citroën versteigert hat. Eine Reihe solventer und solider Interessenten habe sich in den vergangenen Wochen gemeldet und mit ihm das Areal besichtigt. Die Substanz der Anfang der 50er Jahre erbauten Gebäude sei ordenlich; das größte Problem sei die Versorgungstechnik.

Weil das mehr als 13 Hektar große Areal zentral mit Wasser, Strom und Wärme versorgt wird, befinden sich technische Anlagen und Zuleitungen auf fremden Flurstücken. Karhausen sagt, er habe vertraglich vereinbart, dass auch nach dem Verkauf nicht der Saft abgedreht werde. Das war eine Hauptsorge der Mieterschaft mit dem 70-köpfigen Filmorchester Babelsberg an der Spitze. Verschärft wird die Situation durch die horrenden Betriebskosten von zurzeit mehr als 100 000 Euro monatlich.

Diese Kosten waren auch ein Hauptgrund der aktuellen Misere: Jahrelang verwalteten die neuen Bundesländer und Berlin das Gelände, ohne sich ernsthaft um eine langfristige Nutzung zu bemühen. Im Herbst schließlich verkaufte die Liegenschaftsgesellschaft von Sachsen-Anhalt (Limsa) als Verantwortliche das Gelände für 350 000 Euro an eine Baumaschinenvermietung. Diese zahlte monatelang keine Betriebskosten und schüchterte die Mieter nach deren Angaben ein. Nebenbei filettierte sie das Areal und gab die wertvollen Teile an Strohmann-Unternehmungen weiter – und das völlig legal, weil der von der Limsa ausgehandelte Vertrag weder Spekulationsfristen noch verbindliche Nutzungsvorgaben enthielt.

Der wegen diverser Verfehlungen in die Kritik geratene Limsa-Chef ist seit zehn Tagen suspendiert, die Berliner Wirtschaftsverwaltung hat in Magdeburg gegen den Deal protestiert. Rückgängig machen lasse er sich aber nicht, heißt es beim Wirtschaftssenator. Das sei umso bedauerlicher, als sich nach dem Geschäft im November ein soliderer Interessent gemeldet habe. Warum dieser Interessent in all den Jahren zuvor nicht aufzutreiben war, vermochte aber auch die Berliner Verwaltung nicht zu erklären.

Mitbieten wird das Land Berlin heute nicht, weil es die Folgekosten scheut. Die Mieter, die rund 400 Menschen beschäftigen, sind verhalten optimistisch. Manche wollen zur Auktion kommen – um zu sehen, wer der neue Hausherr wird.

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