Berlin : Neue Interessenten für Tempelhof Auch Air Berlin und Hapag-Lloyd machen

ein Angebot, den Flughafen zu betreiben

Rainer W. During

Immer mehr Luftverkehrsgesellschaften sind bereit, den Flughafen Tempelhof in eigener Regie zu übernehmen. Neben dba, Germania und Windrose Air wollen sich jetzt auch Air Berlin und Hapag-Lloyd an dem Betreiberkonsortium beteiligen. Das sagte Germania-Geschäftsführer Hinrich Bischoff gestern dem Tagesspiegel. Am Montag sprechen die Airline-Vertreter mit der Berliner Flughafen-Gesellschaft (BFG).

Die Luftfahrtbehörde der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat die BFG zum 31. Oktober aus der Betriebspflicht entlassen. Begründet wurde dies mit den hohen Verlusten: im vergangenen Jahr rund 15 Millionen Euro. Das Konsortium glaubt, den Zentralflughafen wirtschaftlich betreiben zu können. „Wir wollen Tempelhof so lange mieten, bis der Großflughafen in Schönefeld (BBI) fertig ist“, sagte Bischoff. Zunächst müssten Airlines und BFG aber klären, wie der Flugbetrieb fortgesetzt werden kann, sagte Helmut John von der Bundesvermögensverwaltung. Die Verträge für Tempelhof sind noch gültig, bis der Planfeststellungsbeschluss für den BBI rechtskräftig ist. Damit wird wegen der angekündigten Klagen frühestens in einem Jahr gerechnet. Die Inhaberin der österreichischen Fluggesellschaft InterSky, Renate Moser, bezeichnete die Schließung Tempelhofs zum jetzigen Zeitpunkt als unsinnig. Allein mit ihren Flügen aus Bern und Friedrichshafen bringe sie jährlich rund 18000 Gäste nach Berlin, die meistens drei bis vier Tage blieben und durchschnittlich 1000 Euro in der Hauptstadt ausgeben.

InterSky würde in Berlin gern expandieren. Die Friedrichshafen-Dienste sollen verdoppelt werden, Graz, Linz und Salzburg zusätzlich ins Angebot kommen. Bis zur Fertigstellung des BBI rechneten sich derartige Flüge aber nur in Tempelhof, sagt Moser. Wegen fehlender Landezeiten und höherer Gebühren sei Tegel keine Alternative. Und jeder zweite Passagier lehne Schönefeld in der gegenwärtigen Form ab. Sollte der Zentralflughafen Ende Oktober geschlossen werden, droht InterSky nach Hamburg abzuwandern. Unterdessen bereiten die Tempelhof-Airlines ihre Klage gegen den Schließungsbeschluss vor. Mit der Anordnung der „sofortigen Vollziehbarkeit“ wollte der Senat verhindern, dass die Fluggesellschaften noch Landerechte in Tempelhof für den Winterfahrplan erhalten. Der Flugplankoordinator hat angesichts der offenen Rechtslage alle vorgesehenen Tempelhof-Flüge dennoch bestätigt – unter Vorbehalt.

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